24. Februar 2024 - Nachbarschaftshilfe

Quelle: OZ Alsfeld - Christian Dickel

Zehn Jahre Nachbarschaftshilfe

Vor zehn Jahren ist die Nachbarschaftshilfe Schwalmtal aus der Taufe gehoben worden. In dieser Zeit hat sich viel getan. Die Strukturen sind gewachsen und mit dem Betrieb des Bürgerbusses seit Ende September 2019 hat der Verein vor bald fünf Jahren eine weitere Aufgabe übernommen. Dabei ist der Verein komplett ehrenamtlich aufgestellt.

ausflug nachbarschaftshilfe Einige Teilnehmer beim Ausflug der Nachbarschaftshilfe für Senioren mit dem Bürgerbus in Ober-Moos. FOTO: EVA VORNBERGER

Anlässlich des kleinen Jubiläums ist es für Eva Vornberger, stellv. Vorsitzende und von Anfang an bereits in der Gründungs-Projektgruppe beteiligt, an der Zeit, einmal Bilanz zu ziehen, aber auch den Blick in die Zukunft zu richten. Zwar fällt ihr Fazit durchweg positiv aus. »Es ist ausgesprochen befriedigend, wenn man helfen kann, Hilfeangebote angenommen werden und die Organisation funktioniert«. Aber seit der Vereinsgründung sind die Mitglieder der ersten Stunde älter geworden. Gar sind einige der Triebfedern, wie etwa der Unter-Sorger Ewald Hofmann, mittlerweile gestorben oder aus familiären Gründen ausgeschieden. »Vom ehemaligen Vorstand sind wir jetzt noch vier. Ursprünglich waren wir neun«, sagt Vornberger.

Für den Vorstand hätten sich zwar wieder ehrenamtliche Unterstützer gefunden, aber dennoch wünscht sie sich Zuwachs bei den Aktiven. Nicht nur im Vorstand, sondern vor allem Fahrer, sowohl für den Bürgerbus als auch mit dem Privatfahrzeug.

Angefangen habe man damals mit etwa 30 Personen, die sich aktiv einbringen wollten. Tatsächlich seien es dann aber 15 Schwalmtaler gewesen, die sich engagiert hätten. Aktuell sei diese Zahl aber vor allem aus Altergründen rückläufig.

»Es ist damals gut angelaufen und gut angenommen worden, wenn auch zu Beginn etwas schleppend, weil wir wohl zu wenig publiziert haben«, sagt Vornberger. Vor allem der eingangs erwähnte Ewald Hoffmann habe viele Spenden akquiriert und ausgesprochen informative Veranstaltungen organisiert zu Themen wie etwa »Betreuungsverfügung«, »Sicherheit im Alter« et cetera. »Ich habe viel gelernt.«

Als eigentliche Hauptaufgabe sehe der Verein, die Mobilität von alleinstehenden Senioren zu verbessern. Das seien dann Krankenfahrten inklusive der Begleitung bis in die Praxis und während Corona dann vor allem auch das Erledigen von Einkäufen. Im vergangenen Jahr seien das rund 100 Fahrten gewesen. Vorwiegend für Senioren, die nicht mehr selbst fahren können, oder dies für einen gewissen Zeitraum aufgrund einer Verletzung nicht können. Aber gerade dafür fehlten Fahrer, weil diese tagsüber unter der Woche zur Verfügung stehen müssen.

Wichtig sei aber zu betonten, dass es sich bei der Nachbarschaftshilfe um kein Taxi handele. Das gelte auch für jede andere Form der Unterstützung wie etwa übergangsweise das Kochen von Mittagessen zur Entlastung von Angehörigen, Haushaltshilfe, Gartenarbeiten oder Nachkommen der Räumpflicht im Winter. Denn in der Vereinssatzung sei klar geregelt, dass man nicht in Konkurrenz zu Dienstleistern vor Ort treten wolle und dürfe. Daher werde der Verein wirklich nur kurzfristig und bei Kleinigkeiten aktiv, wie etwa dem Auswechseln einer defekter Glühbirne, wofür kein Handwerker ins Haus kommen werde.

Nach der anfänglichen Idee, eine kleine Gebühr für die Unterstützung zu erheben, sei schnell die Erkenntnis gekommen, dass dies in keinem Verhältnis zum Verwaltungsaufwand stehe. Daher werden lediglich die gefahrenen Kilometer abgerechnet. Die aktiven Mitglieder sind rein ehrenamtlich unterwegs.

Eine weitere Aufgabe seien Besuchsdienste. »Da geht man mal auf eine Tasse Kaffee hin, liest etwas vor, geht spazieren und hört vor allem zu. Vielen fehlt der Ansprechpartner im Alter. Das ist aber viel seltener als die Fahrten zum Arzt oder Physiotherapeuten. Dadurch sind auch schöne Kontakte entstanden. Gerade für mich als Zugezogene, die seit 1981 in Hopfgarten lebt«, sagt Vornberger.

Außerdem springe der Verein zur Überbrückung ein, falls der Pflegefall eintrete und auf die Einstufung gewartet werden müsse, bis dann die Diakonie übernehmen könne.

Völlig unabhängig davon war eine weitere Herausforderung für den noch jungen Verein die Flüchtlingsbetreuung im Jahr 2016 in der Gemeinschaftsunterkunft in Rainrod. Damals habe man die Menschen vor allem bei Behördengängen begleitet, was wirklich schwierig gewesen sei, weil die sprachliche Verständigung und das Ausfüllen der behördlichen Unterlagen »auch für uns oft viel Fragezeichen aufgeworfen hat«. Aktuell bei den Ukrainern sei es gar kein Problem, weil sie Valentina Richter aus Renzendorf als Dolmetscherin hätten, die die Sprache perfekt spreche und somit einfach übersetzen könne. »Sie hält den Kontakt, leitet Fragen und Bitten weiter. Es ist auch viel besser als damals organisiert, da alle zwei Wochen eine Flüchtlingsbetreuerin vom Kreis ins Rathaus zum Beratungsgespräch kommt«, informiert Vornberger.

Eine ganz aktuelle Erfolgsgeschichte seien Ausflüge für Senioren in die Region mit dem Bürgerbus, die gemeinsam mit Renate Steinke-Faig und Thomas Steinke und in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Hopfgarten organisiert werden. »Die Idee ist, raus aus der Vereinzelung, Kontakte ermöglichen und gemeinsam etwas erleben. Kultur, Genuss und Natur stehen im Vordergrund. Und natürlich die Kontaktpflege untereinander«, so Vornberger. Hier habe sich eine kleine Fangemeinde gebildet, die fast immer dabei seien und sich schon während des Ausflugs für die nächste Fahrt anmelden würden. Mittlerweile reiche dafür der Bürgerbus nicht mehr aus, sodass auf Privatwagen zurückgegriffen werde. Das ist aber begrenzt. Ob zum Weihnachtsmarkt nach Schlitz, ins Vorwerk-Museum nach Ulrichstein, ins Vulkaneum nach Schotten, ins Puppenmuseum nach Laubach, in die Natur in Ober-Moos, oder als nächstes zur Ernst-Eimer-Ausstellung, das Angebot spreche viele Senioren an.

Das sowie die Krankenfahrten gelinge aber nur, so lange es noch ehrenamtliche Fahrer gebe und auch für den Bus Fahrer zur Verfügung stünden. Momentan habe der Verein 92 Mitglieder (aktive und passive). Der Blick ins Fahrtenbuch verrate aber, dass es im vergangenen Jahr nur noch neun Aktive im Einsatz waren. »Es müsste sich alles auf ein paar mehr Schultern verteilen«, wünscht sich Vornberger. Dabei gehe es nicht nur darum, Mobilität auf dem Dorf herstellen, sondern um Gemeinsamkeit und Teilhabe.

In den dörflichen Strukturen gebe es selbstverständlich eine noch viel größere Nachbarschaftshilfe außerhalb der Vereinsstruktur. Dennoch lege sie allen Schwalmtalern, die ihre Nachbarschaft unterstützen, ans Herz, dem Verein beizutreten. Falls aus welchen Gründen auch immer beim Unterstützen der Nachbarn ein Unfall geschehen sollte, sei man durch den Verein versichert und brauche sich keine Sorgen machen.

Die Idee, eine Nachbarschaftshilfe in der Gemeinde Schwalmtal zu gründen, hatte ihren Ursprung im Jahr 2014, angestoßen vom Sozialbeirat und dem Bürgermeister Timo Georg. Hintergrund war vor allem die Fragestellung, was fehlt in der Gemeinde und wo kann man konkret Hilfestellung geben. Dazu wurde eine Bürgerbefragung mit Anschreiben an alle Haushalte gemacht. Mit einer überraschend hohen Rückläuferzahl laut Vornberger. Außerdem habe man sich parallel bei bereits vorhandenen Nachbarschaftshilfen umgeschaut. Aus versicherungstechnischen Gründen sei dann im Jahr darauf ein Verein ins Leben gerufen worden. Vorsitzender ist seit Gründung Bürgermeister Timo Georg (parteilos). Dass der Rathauschef das Amt seit Beginn an bekleidet, sei ganz wichtig für die Akzeptanz des neuen Vereins gewesen. Auch heute noch bestehe dadurch ein direkter Draht ins Rathaus. Vom ursprünglichen Vorstand sind ansonsten noch Dr. Michael Hiller (Vadenrod), Renate Steinke-Faig (Storndorf), Eva Vornberger (Hopfgarten) dabei. Nachgerückt sind Robert Riße (Storndorf), Dieter Mank (Storndorf) und Harald Geiß (Vadenrod) .

Die Mitgliedschaft kostet jährlich 10 Euro. Zu erreichen ist die Nachbarschaftshilfe über das Bürgertelefon der Gemeinde zu den Bürozeiten unter 06638/9185280 oder E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.. Weitere Informationen gibt es auch unter nachbarschaftshilfe-schwalmtal.de. CDC

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