26. März 2012 - Förderverein Diakoniestation Schwalmtal

Quelle: OZ Alsfeld

Nur aktive Unterstützung kann „Burnout"-Betroffenen helfen

Psychotherapeut Jochen Dietz referierte vor dem Förderverein der Diakoniestation

(mp). Leuchtende Frühlingsblumen, Kerzen und bunte Ostereier auf den Tischen sorgten im Dorfgemeinschaftshaus von Storndorf für eine „Wohlfühl-Atmosphäre". Hier konnten die Ausführungen über den derzeit in Mode gekommenen Begriff des „Ausgebranntseins" beziehungsweise des „Burnouts" ins Schwarze treffen. Interessiert mit vielen Zwischenfragen wurden sie im voll besetzten Saal von den Mitgliedern des Fördervereins der Diakoniestation Schwalmtal verfolgt.

Aus Anlass der Jahreshauptversammlung war Jochen Dietz, Psychologe aus Romrod, als Referent eingeladen worden. Zu Beginn begrüßte Renate Weber als Vorsitzende des Fördervereins die Gäste, darunter den neu gewählten Bürgermeister von Schwalmtal, Timo Georg. Jürgen Adam hieß die Gäste willkommen als stellvertretender Vorsitzender des Vereins sowie als Bürgermeister.

Was ist „Burnout"?

„Ausgebrannt bis in den Tod?" lautete der Titel des Referats und es gab genügend Anstoß, um sich mit dem Thema des „Burnouts" zunächst persönlich auseinanderzusetzen. Jochen Dietz beleuchtete mit Kompetenz und verständlich-anschaulichen Ausführungen dieses aktuelle Thema aus wissenschaftlicher und menschlicher Sicht. „Burnout" - das medizinisch nicht als eine eigene Krankheit gilt - ist das englische Wort für „ausgebrannt". Eng verwandt sei das Burnout-Syndrom mit der Depression, weil sich viele Symptome von beiden überlappen. Zunehmend sei „Burnout" als häufig verwandter Begriff in Mode gekommen und diene heute nicht selten als reine Steigerungsformel für ein intensives Erschöpfungsgefühl. Nicht zuletzt verdienten daran unter anderem so einige Autoren und Verlage nicht schlecht, es gebe beispielsweise inzwischen eine Fülle von Büchern zu diesem Thema.

Definition

Doch was ist „Burnout" im eigentlichen Sinne? Jochen Dietz brachte das Phänomen wie folgt auf den Punkt: „Es ist eine intensive Erschöpfung infolge von Überforderung im Rahmen der beruflichen Arbeitswelt." Wobei der Bezug auf die Arbeitswelt in jedem Falle dazu gehöre, bei anderen Erschöpfungsformen handele es sich nicht um einen „Burnout", sondern zum Beispiel um eine Depression. Gekoppelt sei das „Burnout" immer an eigene Persönlichkeitsmerkmale, nicht an das eigentliche Arbeitsgeschehen. Zu erkennen sei das „Ausgebranntsein" unter anderem an massiven Überforderungsgefühlen, erhöhter Reizbarkeit, Schlafstörungen, an emotionaler Überempfindlichkeit bei relativ geringen Anlässen. Des Weiteren könne die betroffene Person nicht mehr abschalten oder entspannen, stattdessen trete permanentes Grübeln auf.

Bei sich selbst suche ein von „Burnout" Betroffener meist keine Schuld, sondern hauptsächlich in seinem Arbeitsumfeld. Bei Untersuchungen in den USA stellten sich geschlechtsspezifisch keine Häufigkeitsunterschiede heraus. Betroffen schienen eher jüngere Arbeitnehmer. Während Frauen eher an Erschöpfung leideten, neigten Männer zu ständigem Zynismus. Zugrunde liege bei diesen stressanfälligen Persönlichkeiten häufig eine geringere Widerstandskraft, ein starkes sich „kontrolliert Fühlen" am Arbeitsplatz, ein instabiles Selbstwertgefühl, es würden hohe Ansprüche an die Umwelt sowie an sich selbst gestellt. „Zu ihrem Beruf haben diese Menschen eine riskante Einstellung", so Jochen Dietz. So erwarteten sie - oft vergeblich - unter anderem viel Anerkennung, Erfolg, Belohnungen, Ehrungen und Ähnliches.

Um aus dem Dilemma eines „Burnouts", das bis zur völligen Antriebslosigkeit gehen kann, herauszukommen, brauche es einen Menschen, der den Betroffenen aktiv unterstütze. Prägnant formulierte es Jochen Dietz: „Einer, der ihn unter den Arm nimmt."

Aus dem Publikum erfolgten vielerlei Reaktionen. Eine sei hier stellvertretend wiedergegeben: „Es gibt heute Menschen, die andere unzufrieden machen und dafür auch noch Geld bekommen, zum Beispiel im Werbefernsehen. Die Bemühungen, das alles zu bekommen, was da versprochen wird, bringt die Leute unter großen Druck."

Jochen Dietz sprach aus menschlicher und wissenschaftlicher Sicht über das „Burnout“.	Foto: mp

Jochen Dietz sprach aus menschlicher und wissenschaftlicher Sicht über das „Burnout“. Foto: mp

Regularien

Im Anschluss an die Diskussionsbeiträge wurden zügig die Regularien der Jahreshauptversammlung des Fördervereins der Diakoniestation Schwalmtal durchgeführt. Dieser zählt bei einem Zuwachs von sieben Neuzugängen derzeit 527 Mitglieder. In ihrem Jahresbericht bedankte sich Renate Weber insbesondere bei allen Mitgliedern und bei den zahlreichen Spendern, darunter viele Einzelpersonen, Jagdgenossenschaften und andere. Auf den Punkt brachte Renate Weber in ihren Ausführungen die Arbeit von Förderverein und der Diakoniestation Schwalmtal: „Wo sich Menschen in einem Team gut verstehen, da kommt was heraus."

Verlesen wurde durch Schriftführer Rudi Höchemer das Protokoll der Jahreshauptversammlung des vergangenen Jahres. Den Kassenbericht erläuterte Rechnerin Gisela Mager. Kassenprüfer Johannes Karl Lang und Bernd Dickel zeigten keine Einwände. Neu gewählte Kassenprüfer sind Bernd Dickel und Helmut Helm.

Vilefältige Unterstützung für Diakoniestation

Karin Runge, Bereichsleiterin der Diakoniestation Schwalmtal, bedankte sich für die kontinuierliche Unterstützung des Fördervereins. Unter anderem habe das Personal der Diakoniestation im vergangenen Jahr eine der notwendigen Fortbildungen davon finanzieren können. 81 Patienten seien versorgt worden, täglich würden vier Touren gefahren. Derzeit arbeiten in der Station neun Pflegekräfte mit insgesamt 5,5 Stellenanteilen. Dabei werden sieben Auszubildende in der Altenpflege betreut. „Zum Oktober suchen wir noch weitere neue Azubis", betonte Karin Runge, die zudem über mehrere gelungene Veranstaltungen aus 2011 berichten konnte.