Das Gruppenpfarramt im Jahr 2000

Quelle: Gemeindebrief 3-2000

Das Gruppenpfarramt - Was? Warum? Seit wann? Wie? Wer?

Aufeinander zugehen - Aneineinder festhalten - Miteinander hoffen

so lautete unser Motto zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr im Jahr 1994. Dieser Grundgedanke hat uns über die Jahre als Gemeinden zusammengehalten. Nun kommen mit Hopfmannsfeld und Dirlammen zwei neue Dörfer ins Gruppenpfarramt. Für uns Anlass, die Arbeitsweise des Gruppenpfarramtes noch einmal vorzustellen:

Was ist das Gruppenpfarramt?

Formal gesagt: Eine von den Kirchenvorständen gewünschte und beschlossene Arbeitsweise der Pfarrer, die Auswirkungen auf die Gemeindearbeit der einzelnen Dörfer hat.

Warum gibt es das Gruppenpfarramt?

Weil Teamarbeit aus gutem Grund biblisch gewünscht ist (siehe Andacht). Die Gaben sind unter den Menschen, und Pfarrer sind Menschen und keine Alleskönner, vielfältig verteilt. Dies anzuerkennen und die Begabung des Anderen als einen Reichtum zu entdecken, darum bemühen wir uns. Gerade Pfarrer auf dem Dorf stehen in der Gefahr sich in ihrer Arbeit zurückzuziehen und den Blick nach außen zu verlieren. Wir Pfarrer profitieren voneinander, geben uns Anregungen, kritisieren und korrigieren einander und tauschen uns über die unterschiedlichsten Fragen der Gemeindearbeit aus. Dadurch wird die Arbeit besser und dies, so wird immer wieder einmal gesagt, spüren die Menschen unserer Gemeinden.

Seit wann gibt es das Gruppenpfarramt?

Das Gruppenpfarramt ist 1969 auf Initiative des damaligen Pfarrers und späteren Propstes Helmut Grün und des Ober-Breidenbacher Pfarrers Arthur Rühl entstanden, der später Professor am Theologischen Seminar Friedberg wurde. Weitere Kirchengemeinden haben sich angeschlossen. Seitdem sind Pfarrerinnen und Pfarrer gekommen und gegangen, die Arbeitsweise hat sich mit den Jahren verändert, die Grundidee aber hat sich bewährt und wird weitergetragen.

Wie funktioniert das Gruppenpfarramt?

Für die Pfarrer im Gruppenpfarramt ist die wöchentliche Team-Sitzung am Mittwoch Vormittag Dreh- und Angelpunkt der Zusammenarbeit. Hier werden gemeinsame Veranstaltungen und Gottesdienste geplant und z.B. der Gemeindebrief inhaltlich besprochen. Wir tauschen uns über die Gemeindearbeit aus und bekommen so Anregungen und Impulse für die eigene Gemeindearbeit. Verwaltungsdinge aber auch persönliche Fragen können besprochen werden, denn auch Pfarrer brauchen Menschen, brauchen Kollegen, mit denen Sie über ihre Erfahrungen sprechen können, wenn sie nicht zu verbissenen „Einzelkämpfern‘““ werden sollen. Wenn Menschen zusammenarbeiten, gibt es auch immer Konflikte, die ausgetragen und bearbeitet werden müssen. Darin unterscheidet sich das Pfarramt nicht von anderen Arbeitsplätzen.

Zur Arbeitsweise der Pfarrer gehört auch der regelmäßige Kanzeltausch. Zwar predigt der eigene Pfarrer an den „Hohen Feiertagen“ und bei besonderen Gottesdiensten in der Regel in seiner eigenen Gemeinde, ansonsten geht er mit seinem vorbereiteten Gottesdienst immer wieder auf die Reise. Man mag einwenden, dass dadurch der Kontakt zur eigenen Gemeinde etwas verloren gehen könnte. Oder es kommen Konkurrenzgedanken auf: Was ist, wenn die Leute den Amtsbruder lieber hören als mich...? Der Kanzeltausch hat aber neben der Erleichterung für den Pfarrer den Vorteil für die Gemeinden, dass ihnen mit der Zeit alle 5 Pfarrer vertrauter werden. Im Gruppenpfarramt weiß man, wen man vor sich hat, auch wenn der eigene Pfarrer mal nicht zur Verfügung steht.

Und natürlich erreicht jeder Pfarrer durch seine Art nicht alle Menschen. Da ist es gut, dass es Kolleginnen und Kollegen gibt. Menschen sind unterschiedlich und Pfarrer gehören zu Spezies Mensch.
Für die Menschen in den Dörfern ist es gut zu wissen, dass sich die Pfarrer im Gruppenpfarramt in der Regel gegenseitig vertreten. Bei Beerdigungen, Trauungen oder Taufen, aber auch wenn eine Pfarrstelle vakant wird, weiß man, mit wem man es zu tun bekommt.

Und schließlich sind durch die Zusammenarbeit Veranstaltungen möglich, die eine einzelne Gemeinde in dieser Form nicht leisten könnte. Die Zusammenarbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer hat sich mit den Jahren auf fast alle Bereiche des Gemeindelebens übertragen. Konfirmanden fahren gemeinsam auf Freizeit, Posaunenchöre spielen immer wieder einmal zusammen, Frauenkreise treffen sich.... und so vieles mehr."


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