Carola Karl-Urvik

43 Jahre, verheiratet mit Pål Eirik Urvik

Wann haben Sie die Storndorfer Schule besucht?

Oje, das war wohl in 73-77 glaube ich, geboren bin ich in 1967.

Gibt es etwas aus ihrer Schulzeit, woran sie sich besonders erinnern?

Ja, die schmale Steintreppe, die ich jeden Tag hochging, von der „Postseite“, das fand ich spannend, außerdem waren da immer so schöne Blumen an der Mauer!

War eine Person / ein Ereignis besonders prägend für Sie?

Nicht gerade prägend, aber ich kann mich gut erinnern, dass ich sehr viel Respekt vor meinem Klassenlehrer hatte, der hieß glaube ich Wölk.

Wo leben Sie jetzt?

Ich lebe in Mosjøen / Nordnorwegen, ca. 150 km südlich des Polarkreises. Ich arbeite als Hebamme in einem kleinen Krankenhaus, 80 km von meinem Wohnort, pendele dorthin. Der Ort heißt Sandnessjøen und liegt an der Küste.

Können Sie uns eine Postkarte / ein Foto von dem Ort senden?

Hmm, ja, ich fotografiere selbst leidenschaftlich gern und kann ein paar Photos hinzufügen.

Aus welchen Gründen leben sie in diesem Land?

Habe mich verliebt, als ich auf Ferientour war in 2003.

Haben Sie das dortige Schulwesen kennengelernt? Worin unterscheidet es sich von dem in Deutschland?

Schulwesen kenne ich ein bisschen durch die Kinder meines Mannes und Freunde, die Lehrer sind. Viele norwegische Lehrer sind nicht gerade zufrieden mit dem Schulwesen, es ist zu "lasch", es gibt keine Noten in den ersten vier Jahrgangsstufen, dadurch kein richtiger Ansporn - ein bisschen Konkurrenz ist nicht schlecht, meinen die und ich auch im Nachhinein. Pisastudie und verschiedene Untersuchungen in Norwegen zeigen, dass die Leistungen der Schüler immer schlechter werden. Sie werden zu wenig gefordert, viele hören einfach auf im Laufe der letzten 3 Jahre, die haben dann gar keinen Abschluss, haben aber trotzdem Anrecht auf Geld, also eine Art Sozialhilfe. Das heißt, egal was du machst, kannst du Hilfe vom Staat erwarten, nicht gerade aufmunternd im Hinblick auf Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen.

Was fällt ihnen sonst noch ein?

Das Land ist wunderschön, die Natur ist einmalig. Aber so wie alles andere hat auch das Leben in Norwegen viele Schattenseiten. Z.B. ein Gesundheitswesen, das sehr schlecht funktioniert. Alles wird zentralisiert, und das ist oftmals problematisch im Hinblick auf die Infrastruktur, eine der größten Herausforderungen in ländlichen Gebieten.

Hier passiert vieles auf dem Wasserweg, vor Sandnessjøen vorgelagert Z.B. sind Hunderte von Inseln, auf denen Menschen leben und ein Krankenhaus brauchen. Das bekomme ich hautnah mit durch meine Arbeit als Hebamme, nicht immer einfach, vor allem im Winter, wenn Schneestürme und Kälte den Transport verhindern.

Dann kann auch der Hubschrauber nicht landen, oftmals sind Flüge mit dem Rettungsflugzeug ebenfalls eingestellt. Das sehe ich als eines der größten Probleme - gerade aktuell kämpft mein Krankenhaus ums Überleben gegen Zentralisierung. Wenn das passiert, müssen viele gebärende 400 km reisen, bevor sie entbinden können, eine schreckliche Vorstellung.

Das Arbeitsleben ist ebenfalls "lasch", wir haben 35,5 Stundenwoche, böse Zungen vergleichen die Norweger mit Brasilianern, was Arbeitswille (Faulheit) angeht. Hehe, hier gibt es wohl überall schwarze Schafe. Aber man arbeitet sich nicht gerade tot, und der Verdienst ist ebenfalls gut. Obwohl das Leben sehr teuer ist, und man Abgaben für definitiv alles bezahlen muss, ist der Lebensstandard meiner Meinung nach sehr hoch.

Ich bin seit 2 Jahren Lokalpolitikerin, meine Partei heißt "Venstre", das bedeutet links, aber nicht zu vergleichen mit den Linken in Deutschland, eher FDP, obwohl auch dieser Vergleich hinkt. Venstre hat vor allem ein sehr gutes Umweltprofil, und eben die liberale Einstellung. Im Übrigen Norwegens älteste Partei!
Anbei auch eine pdf-Datei von einem Interview mit mir und der Lokalzeitung. Ich könnte ja noch stundenlang erzählen, aber das sprengt wohl den Rahmen ... ;-).

Norwegisch habe ich im Übrigen schnell gelernt, da ich Schwedisch konnte. Ich habe ja zwischenzeitlich mal in Schweden gelebt, das war in 1991 – 1993. Norwegisch ist einfach zu erlernen für Deutsche, finde ich.

 

Viele Grüße aus dem hohen Norden

von Carola


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