25. Juli 2020 - Porträts & Personalien

Quelle: OZ Alsfeld - von Günther Krämer

Landwirt, Holzrücker, Angestellter

Helmut Keipp aus Vadenrod feiert am 24. Juli  90. Geburtstag / Vielfältig engagiert: von Feuerwehr bis Politik

helmut keipp 90 small v1

Hat am 24. Juli seinen Ehrentag: Helmut Keipp feiert 90. Geburtstag

VADENROD. Helmut Keipp wird am 24. Juli 90 Jahre alt. Man sieht dem echten Vadenröder Jungen, der nach der zweijährigen „Fortbildungsschule“ 13 Jahre in der Landwirtschaft eines Verwandten in Wallenrod eingesetzt wurde, das hohe Alter überhaupt nicht an. Und man wundert sich über das Wissen von Helmut Keipp. In vielen Bereichen, vor allem in der Feuerwehr und der Kommunalpolitik, war er Mitgestalter seiner Zeit.

Noch heute im hohen Alter von 90 Jahren erzählt der Jubilar von seiner Kindheit, der Schule, dem Beruf, der Familie und der Kommunalpolitik, als wäre es gestern gewesen. Helmut Keipp wurde in der Neugasse 15 in Vadenrod geboren und wohnt dort noch heute. Seine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft. Während seiner Kindheit und Schulzeit hat er die NS-Herrschaft erlebt. „Als Kinder sind wir mitgelaufen“, sagt Keipp.

Nach der achtjährigen, zweigliedrigen Volksschule schloss sich die zweijährige Fortbildungsschule, vor allem abgestellt auf die Tätigkeiten in der Landwirtschaft, an. Und das passte. Denn in der Verwandtschaft in Wallenrod wurde ein Nachfolger gesucht; Helmut Keipp wurde mit 17 Jahren in dem landwirtschaftlichen Betrieb eingesetzt. In dieser Zeit besuchte er die Landwirtschaftsschule in Alsfeld. Gleichzeitig engagierte er sich auch in der Gemeinschaft in Wallenrod, wurde Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, der er schon mit 14 Jahren - ein Jahr vor Kriegsende - in Vadenrod beigetreten war. Es war aber beim „Theaterspielen“ in Wallenrod, das in dieser Zeit fast in jedem Dorf jährlich zur Förderung der Gemeinschaftskultur beitrug, wo Keipp sein „Liebes- und Lebensglück“ fand. Ganz einfach, schmunzelt der 90-Jährige, als er darüber erzählt. „Wie es halt so geht: Man kommt sich näher - und auf einmal ist man zusammen!“ Im Jahre 1955 heirateten Helmut Keipp und Gerda Keipp, geb. Döring. In fünf Monaten, an Weihnachten 2020, feiern sie das Fest der eisernen Hochzeit.

Die Zeit in Wallenrod, die eigentlich für immer geplant war, endete nach 13 Jahren. Keipp kam mit Ehefrau Gerda und den mittlerweile drei Kindern (zwei Söhne und eine Tochter) wieder zurück nach Vadenrod. Das war nicht geplant, erzählt er.

Aber den jüngeren Bruder, der die elterliche Landwirtschaft in Vadenrod übernehmen sollte, zog es in den Hohen Vogelsberg nach Grebenhain. Helmut Keipp musste also 1960 zurück und übernahm die Landwirtschaft. Zu den 14 Hektar Grundeigentum kamen noch weitere Pachtflächen. Pferde und Kühe gehörten in den 1950er Jahren zu den Alltags-Helfern in der Landwirtschaft; Helmut und Gerda Keipp legten beim Melken auch selbst Hand an, ehe dann die „Westfalia“ für Erleichterung sorgte. Die Milch wurde in Kannen in die naheliegende-. Molkerei Storndorf geliefert; das Milchgeld bekam man monatlich bar ausgezahlt. Damit nicht genug: Der Jubilar verdiente sich etwas hinzu, war als Holzrücker mit dem Kaltblüter „Max“ für das Forstamt -Storndorf im heimischen Wald tätig. „Morgens früh raus - und erst gegen Abend wieder zurück - das war immer ein strammer Arbeitstag“, erinnerte sich der Jubilar. Das sei schon mal an die Substanz gegangen. Und in der Tat: 1962 hatte Keipp eine gesundheitliche Krise - aber er erholte sich. 1970 kam dann das Aus für den hauptberuflichen Landwirt. Er wurde Mitarbeiter bei Leiter-Krause in Alsfeld. Dort war er bis 1995 in der Warenannahme tätig. Die Landwirtschaft als Nebenerwerb blieb.

Engagiert war Helmut Keipp besonders im Bereich der Feuerwehr. Sowohl Vadenrod als auch in Wallenrod war der Jubilar aktiv; außerdem 12 Jahre als Vorsitzender der FW Vadenrod. Keipp war Mitbegründer der Ehren- und Altersabteilung der Feuerwehr auf Gemeindeebene und einige Jahre Vorsitzender. Heute ist er Ehrenmitglied.

Insgesamt 20 Jahre gehörte der Schwalmtaler für die Freien Wähler der Gemeindevertretung - zuerst von Vadenrod - und nach der kommunalen Gebietsreform der neuen Großgemeinde Schwalmtal an. Acht Jahre übte er das Amt des Ortsvorstehers von Vadenrod aus. An seine politische Zeit in der neuen Großgemeinde Schwalmtal erinnert er sich noch gut. „Es gab viel Uneinigkeit - es waren harte und lange Sitzungen“. Das war jedoch der Situation geschuldet. Ganz knapp waren die Mehrheiten. Und „Rot und Schwarz“ trafen jedes Mal aufeinander. Keipp erlebte drei Bürgermeister der Großgemeinde Schwalmtal: Otto Richtberg, als „staatsbeauftragten Bürgermeister“, Helmut Schaaf (SPD) als ersten hauptamtlichen Bürgermeister, dann Karl-Josef Schwiddessen (CDU). Sie alle seien ganz unterschiedlich gewesen.

17 Jahre war Helmut Keipp Wildschadenschätzer und damit als Mittler zwischen Landwirten und Jagdpächter unterwegs. „Es war nicht immer einfach“, gibt er zu. 36 Jahre gehörte der Jubilar dem evangelischen Kirchenvorstand in Vadenrod an, war 25 Jahren Mitglied der Dekanatssynode der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau.

Aus der Ehe gingen drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, hervor. Im: Jahre 2010 starb ein Sohn bei einem beruflichen Aufenthalt in Taiwan. Zur Familie gehören sechs Enkel; ein Enkel ist auch bereits verstorben.

Der Rückblick auf 90 Jahren und 65 Jahre Ehe fällt deutlich aus: „Ich bin zufrieden“, sagt Helmut Keipp. Seine Ehefrau Gerda, die die Erzählungen ihres Mannes interessiert verfolgt hat, ergänzt: „Streit hatten wir in den 65 Ehejahren eigentlich nie; es war mal mehr oder weniger ein Disput. Aber das war am nächsten alles wieder vorbei!“

Und heute? Helmut Keipp ist nach wie vor aktiv in der Neugasse 15 unterwegs. Täglich. Es läuft alles nach Plan. Ein Teilbereich des Anwesens - darunter der Gartenbereich mit Rasenfläche, den Kartoffelanpflanzungen und der Gartenlaube - stehen unter seiner Obhut. Nach wie vor hält er Ordnung am und um das Grundstück. Straßenreinigung jeden Samstag ist Pflicht. Der Blick auf die Blumen im Garten verschafft dem Jubilar zusätzliche Freude.