15. Oktober 2018 - Porträts & Personalien

Quelle: OZ Alsfeld, 13.10.2018

Auf Du und Du mit Uli Hoeneß in der VIP-Loge

Fußball Storndorfer Claus Eckstein gewinnt Treffen mit Präsidium des FC Bayern München / Mit Robben, Müller und Alaba beim Einchecken im Hotel

Claus Eckstein und Uli Hoeness small Gerd Koch und Uli Hoeness small

Claus Eckstein aus Storndorf hat das Treffen mit Uli Hoeneß gewonnen und nahm seinen Kumpel Gerd Koch gleich mit. Foto: Koch/Eckstein

SCHWALMTAL. Der FC Bayern München ist mit knapp 300000 Mitgliedern der größte Sportverein der Welt. Die Heimspiele in der Allianz-Arena sind mit 75 000 Besuchern ausverkauft - immer. Tickets für ein Spitzenspiel der Bayern zu bekommen, ist schwer genug. Einmal mit dem Bayern-Präsidium, angeführt von Präsident Uli Hoeneß, in einer Präsidenten-Loge zu sitzen und über die aktuelle Lage des deutschen Fußball-Rekordmeisters zu plaudern, im Grunde unmöglich - zumindest für einen „normalen" Fußball-Fan. Doch für zwei Bayern-Anhänger aus Schwalmtal wurde dieser Traum jetzt wahr: Claus Eckstein (58) aus Storndorf hat eben diese Einladung in eine Bayern-Loge und das Treffen mit dem Präsidium des Rekordmeisters gewonnen.

Und dazu nahm er seinen langjährigen Kumpel Gerd Koch aus Brauerschwend mit. „Ich bin seit Mitte 1994 Mitglied beim FC Bayern, Gerd sogar noch ein halbes Jahr länger. Wir waren auch schon gemeinsam beim letzten Champions-League-Sieg der Bayern gegen Dortmund im Wembley-Stadion in London", erzählt Eckstein.

Wie kam es denn aber jetzt zu dieser ungewöhnlichen Aktion? „Der FC Bayern veranstaltet zweimal im Jahr ein solches Fan-Gespräch mit dem Präsidium. Fans können vorher Fragen einreichen, zehn davon werden ausgelost und zu dem Treffen eingeladen und dürfen eine Begleitperson mitbringen. Ich hatte vergangenes Jahr schon einmal mitgemacht, da passierte nichts. In diesem Jahr habe ich es wieder versucht und bin fast vom Sofa gefallen, als am 19. September ein Anruf vom FC Bayern München kam und man mir sagte, dass ich gewonnen habe und zu dem Präsidiumsgespräch eingeladen werde. Drei Tage später war die schriftliche Bestätigung da", erzählt Eckstein.

IM WORTLAUT
Mit diesem Schreiben hat Claus Eckstein aus Storndorf das Treffen mit dem Bayern-Präsidium gewonnen:

Sehr geehrtes Präsidium, lieber Uli Hoeneß, mein Name ist Claus Eckstein, geb. 25.07.1960. Anschrift: Am Forstamt 4, 36318 Schwalmtal, Mitgliedsnummer: 16089 (FCB-Mitglied seit 1994). In meiner jetzt fast 25 jährigen Mitgliedschaft beim FCB habe ich zahlreiche JHV besucht. Diese waren am Nockerberg, Olympiahalle, Messe oder im Audi Dome. Warum ist man beim FCB in den letzten Jahren so auf den Audi Dome fixiert? Wenn die Auslastung im Audi Dome wegen Basketball oder anderen Veranstaltungen keinen geeigneten Termin hergibt, sollte man einen Ortswechsel vornehmen. 1. Priorität für einen geeigneten Termin der JHV sollte sein, dem Fan die Möglichkeit zu geben, ein FCß-Heimspiel mit dem Besuch der JHV zu verbinden. Die Priorität des Präsidiums (in den letzten Jahren) ist stattdessen: Veranstaltungsort JHV FC Bayern München e.V.: Audi Dome. Das stelle ich zur Diskussion. Mit freundlichen Grüßen, Claus Eckstein

Claus Eckstein (58)

lebt in Storndorf und ist seit seinem siebten Lebensjahr Fan von Bayern München. Seit 1994 ist er Vereinsmitglied, seit 2005, seit der Fertigstellung der Allianz-Arena, hat er eine Dauerkarte beim deutschen Rekordmeister. Bei den letzten beiden Champions-League-Erfolgen in Mailand (2001) und London (2013) war er live im Stadion. „2001 habe ich im Vorfeld Franz Beckenbauer, 2013 Uli Hoeneß angeschrieben. Und prompt habe ich später bei der Zuteilung Karten bekommen", freut sich Eckstein. Auch bei mehreren Fußball-Weltmeisterschaften war er schon vor Ort. An ein besonderes Erlebnis von 1994 in den USA erinnert er sich heute noch gerne. Beim Spiel Deutschland gegen Belgien im „soldier field" in Chicago saß er auf der Tribüne nur ein paar Reihen vor Franz Beckenbauer und dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger. „Damals war das ja noch nicht so getrennt wie heute. Ich bin die Treppe hoch und habe dem Ordner an der Treppe meine WM-Mütze in die Hand gedrückt und gefragt, ob er sie Beckenbauer und Kissinger für ein Autogramm reichen könnte. Das hat er gemacht und beide haben auch unterschrieben", so der Storndorfer stolz. Und genau diese Story schrieb er Beckenbauer auch 2001 in seinem Brief, bei dem er um Tickets für das Champions-League-Finale bat, und bedankte sich noch einmal für die Unterschrift. Dazu legte er noch ein Foto von seinem Haus, an dem seit 2001 ein Bayern-Emblem prangt. Inwieweit Beckenbauer dann am Ende bei der Ticket-Verteilung mitgewirkt hat, weiß Eckstein natürlich nicht. Geschadet hatte der Brief aber nicht. Aber auch im heimischen Amateurfußball war der Storndorfer lange aktiv - als Vorsitzender des TV Storndorf und als Abteilungsleiter der Fußballer der SG Schwalmtal. (Ih)

Sofort hat er für den vergangenen Samstag ein Hotelzimmer in München gebucht, denn das Treffen war vor dem Heimspiel der Bayern gegen Borussia Mönchengladbach geplant. Eine Eintrittskarte hatte er ohnehin - seit 2005 ist Eckstein Dauerkartenbesitzer. Fünf-, sechsmal im Jahr fährt er zu den Heimspielen nach München, ansonsten verwahrt ein Freund das kostbare Stück in München.

Am Samstag startete das Duo Eckstein/Koch mit dem Auto nach München und steuerte zunächst das Infinity-Hotel in Unterschleißheim an. Doch beim Einparken gab es ein Problem: Direkt vor der Eingangstür durften die Schwalmtaler ihren Wagen nicht halten, wurden von einem Sicherheitsmitarbeiter freundlich, aber bestimmt verwiesen. Den Grund erlebte das Schwalmtaler-Duo wenige Minuten später. Dann fuhr nämlich der Mannschaftsbus des FC Bayern München vor. „Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Wir standen beim Check-In, da standen plötzlich Robben, Müller und Alaba neben uns. Die mussten natürlich nicht einchecken, haben aber erst noch ein paar Fotos mit Fans gemacht. Dass die anderen Bayern-Spieler direkt an uns vorbei in Richtung ihrer Zimmer gelaufen sind, hätten wir sonst gar nicht mitbekommen. Aber das allein war schon ein tolles Erlebnis", schwärmt der 58-jährige Storndorfer, der seit 1967 Bayern-Fan ist. „Damals wurde man entweder Bayern- oder Gladbach-Fan. Ich habe mich für die Bayern entschieden. Damals war ich sieben Jahre alt", so Eckstein.

» Ich bin fast vom Sofa gefallen, als am 19. September ein Anruf vom FC Bayern München kam.« Claus Eckstein

Jetzt stand er direkt seinen Bayern-Stars gegenüber, die das Hotel in Unterschleißheim als Tageshotel vor dem Spiel geblockt hatten. Um 14.30 Uhr ging es für Eckstein und Koch - mit den weiteren neun Gewinnern des Präsidiums-Treffen - ins Stadion, wo zunächst eine kleine Führung auf dem Programm stand. Hier konnten die Bayern-Fans auch den Rasen betreten und sich auf die Bayern-Bank setzen. Mit dem Aufzug ging es danach hoch in den VIP-Bereich, wo das Präsidiumstreffens für 15 Uhr angesetzt war. Pünktlich kamen Uli Hoeneß, die Vizepräsidenten Walter Mennekes und Prof. Dr. Dieter Mayer sowie weitere Präsidiumsmitglieder, aber auch Ex-Torhüter Raimund Aumann, der inzwischen Fan-Beauftragter des FCB ist, dazu. Insgesamt 480 Mitglieder hatten sich für dieses Treffen beworben, zehn Auserwählte bekamen jetzt zwei Stunden vom Bayern-Präsidium die im Vorfeld eingereichten Fragen beantwortet.

Auch Claus Eckstein durfte seine Frage stellen. Er war schon mehrfach bei den Jahreshauptversammlungen der Bayern und ihn hatte zuletzt geärgert, dass die Versammlungen immer im Audi Dome stattfinden, wo auch die Basketballer der Bayern ihre Heimspiele austragen. Mit der Örtlichkeit hat Eckstein kein Problem, allerdings wurde es dort zuletzt auch schon recht eng. Gerade bei der Wiederwahl von Uli Hoeneß 2016 platzte die Halle fast aus allen Nähten, musste hastig noch ein Zusatzzelt für 2000 Zuhörer nebenan aufgebaut werden. Das Präsidium nahm die Anfrage durchaus ernst und gab eine entsprechende Antwort. 2016, eben beim Comeback von Uli Hoeneß, wäre das Interesse eben besonders groß gewesen. Ansonsten, so zeige ein Blick in die Statistik, reiche der Audi Dome als Tagungsort aus. Hier passen ca. 7000 Fans hinein und mehr kamen in der Vergangenheit in der Regel auch nicht zu den Jahreshauptversammlungen.

Weitere Anfragen drehten sich unter anderem um die schleppende Ausfahrt aus dem Parkhaus bei Heimspielen (ein Dauerthema bei nahezu allen Bundesligisten). Oder warum es für Frauen so wenig Personal bei Einlasskontrollen gibt? Oder warum der FC Bayern sich nicht an e-Sports beteiligt? „Für jede Frage hatten die Bayern einen Experten mitgebracht, der fundiert dazu Auskunft geben konnte, zum Teil auch Statistiken präsentierte", war auch Eckstein überrascht, wie gewissenhaft die Bayern-Verantwortlichen die insgesamt zweistündige Fragestunde mit den Fans nahmen.

» Das ging bis zwei Stunden nach dem Spiel. Das war ein tolles Erlebnis - nur das Spiel war nicht so dolle.« Claus Eckstein


Um 17 Uhr endete das Treffen, die Bayern-Bosse zogen sich zurück, die Fans konnten aber in der Loge bleiben, von hier das Spiel gegen Mönchengladbach genießen und wurden auch in kulinarischer Hinsicht reichlich verwöhnt. „Das ging bis zwei Stunden nach dem Spiel. Das war ein tolles Erlebnis - nur das Spiel war nicht so dolle", so das Fazit von Claus Eckstein. Kein Wunder, Bayern verlor bekanntlich 0:3. Der Storndorfer, heute Pensionär, früher bei der Telekom im Einkauf tätig, ist dennoch überzeugt, dass die Bayern in dieser Saison zurück in die Erfolgsspur finden. „In der vergangenen Saison führte Dortmund auch zwischenzeitlich schon klar die Tabelle an. Am Ende sah es ganz anders aus. Aber sicherlich wird für die Bayern das nächste Spiel in Wolfsburg ganz entscheidend", so Eckstein. Dort wird er übrigens wieder auf der Tribüne sitzen, denn hin und wieder begleitet er die Münchener auch zu Auswärtsspielen. Dann aber vermutlich ohne ein Treffen mit Uli Hoeneß.


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