05. Oktober 2017 - Porträts & Personalien

Quelle: OZ Alsfeld, 07.10.2017

Stabwechsel bei Sozialstation

Wechsel bei der Sozialstation Alsfeld/Romrod: Manfred Steuernagel geht, Michaela Schwohl übernimmt. Foto: Kierblewski

ALSFELD - (kiri). Die Übergabe eines Staffelholzes ist immer ein schwieriger Moment - sowohl für den der abgibt, als auch für den, der übernimmt. Manfred Steuernagel und Michaela Schwohl von der Sozialstation Alsfeld/Romrod haben ihre Übergabe ganz einfach gelöst: Sie gehen ein Stück gemeinsam. Denn Manfred Steuernagel - der nach über 20 Jahren die Leitung der Sozialstation abgibt - kommt noch einmal die Woche an seinen alten Arbeitsplatz und steht der neuen Leiterin Michaela Schwohl mit Rat und Tat zur Seite. Die Fußstampfen sind groß, die Steuernagel hinterlässt. Er hat einige Meilensteine genommen - immer mit zuverlässiger Unterstützung seines einst neun- heute 93-köpfigen Teams, auf das sich jetzt auch Schwohl verlassen kann.

Steuernagel hat den Beruf von der Pike auf gelernt. Er hat Ende der 70er Jahre seine Ausbildung als Krankenpfleger im Elisabethstift Darmstadt absolviert. Danach folgte, wie damals noch üblich, der Zivildienst, den er teilweise beim Roten Kreuz in der ambulanten Pflege ablegte - wohl schon ein ungeahnter Hinweis auf seine berufliche Zukunft. Während des Zivildienstes arbeitete er nebenbei auf der neugegründeten Intensivstation des Alsfelder Krankenhauses, das sich damals noch in der Rambach befand. Nach sechs Monaten wechselte er komplett auf die Intensivstation und leistete dort die restlichen Monate als "Zivi" ab.

Nach seinem Wehrersatzdienst wechselte er in den Nachtwachenbereich einer internistischen Station. Mit dem Umzug ins neue Krankenhaus am Stadtrand in die Schwabenröder Straße folgte für ihn eine neue Herausforderung in der Unfallchirurgie. Dr. Johannes Pfann, ein ehemaliger Anästhesist der Alsfelder Klinik, war es, der Steuernagel als kompetente Kraft für einige Jahre wieder zurück auf die Intensivstation holen konnte. Mit der Bestellung zum Stationspfleger wechselte er Ende der 80er Jahre auf die damalige Station 1, die einst Patienten der Abteilungen Gefäßchirurgie, HNO und Augen versorgte.

Durch sein Engagement und seine Erfahrung in unterschiedlichen Pflegebereichen, übernahm er die stellvertretende Pflegedienstleitung des Krankenhauses unter Manfred Schrewe. In dieser Zeit hatte er die Gelegenheit, eine zweijährige Weiterbildung zur Leitung des Pflegedienstes eines Krankenhauses zu absolvieren. Mit der Anbindung der Sozialstation zum 1. Januar 1996 als Eigenbetrieb an das Krankenhaus war es dann soweit: Manfred Steuernagel übernahm die Leitung der Sozialstation Alsfeld/Romrod. Die Sozialstation gab es schon zuvor, sie war allerdings in kommunaler Verwaltung der Stadt Alsfeld. 1996 wurde beschlossen, sie ans Kreiskrankenhaus anzuschließen.

"Wir haben damals mit neun Leuten im Team angefangen", erinnert sich Steuernagel gerne zurück. "Es war alles im Aufbau, wir haben viel improvisieren müssen, waren gefordert, aber wir waren ein kleiner, familiärer Haufen, wir kannten uns alle untereinander und jeder kannte auch alle Patienten", beschreibt der scheidende Leiter die Zeit des Neubeginns, bei dem übrigens auch Michaela Schwohl zu Beginn mit von der Partie war. "Ja, damals konnte Manfred auch selber noch hinaus zu den Patienten fahren", erinnert sie sich. "Heute ist das nur noch sehr selten möglich - die administrativen Aufgaben haben so zu genommen, wir haben immer mehr Patienten zu betreuen und inzwischen auch 93 Mitarbeiter." Ohne die wäre diese Entwicklung der Sozialstation nicht möglich gewesen. Außerdem wurde die Kurzzeitpflegestation im Kreiskrankenhaus eingerichtet, da der Bedarf immer größer wurde und es keine ausreichende Kapazität gab. Für diese Abteilung übernahm Steuernagel die Position der Heimleitung, und für die Physikalische Abteilung war er in den letzten Jahren zudem als Prokurist tätig.

Stolz ist er darauf, bei der konzeptionellen Entwicklung und Aufbau der "Vulkan-Villa" - einer selbstbestimmten Wohngemeinschaft für Senioren mit niedrigen Pflegestufen - gemeinsam mit dem Alsfelder Ehepaar Helm mitgewirkt zu haben. Ein Beispiel, welches inzwischen im Vogelsbergkreis einige Nachahmer gefunden hat.

"Der demographische Wandel hat uns in den letzten Jahren zunehmend vor neue Herausforderungen gestellt", gibt der erfahrene Pflegedienstleiter zu. "Es herrscht Pflegenotstand, das ist ja bekannt. Es gibt immer mehr Pflegebedürftige, aber immer weniger, die den Beruf in der Pflege wählen." Dies bereitet ihm, aber auch Schwohl Kopfzerbrechen. Um dem entgegenzuwirken, werden die Mitarbeiter motiviert und immer wieder die Möglichkeit geschaffen, sich weiterzubilden: Neben der Ausbildung zur Altenpflege sind es die Palliativpflege, das Qualitätsmanagement, die Weiterbildung zur Pflegedienstleitung, das Wundmanagement, die Pflegeberatung sowie die Praxisanleitung, die die Sozialstation ihren Mitarbeitern ermöglicht.

So wird es auch Schwohl künftig halten. Auch sie ist ein Alsfelder "Eigengewächs". Die heute 49-Jährige kommt aus Leusel, hat 1985 bis 1988 in der Gießener Uniklinik ihre Ausbildung als Krankenschwester absolviert, arbeitete dann fünf Jahre im Haus Stephanus, bevor sie 1993 ins Kreiskrankenhaus Alsfeld wechselte. Dort war sie zunächst in der Abteilung für Innere Medizin und Geriatrie tätig. Ein Jahr nachdem Manfred Steuernagel die Leitung der Sozialstation übernommen hatte, wechselte auch Michaela Schwohl dorthin. Sie absolvierte gleichzeitig eine Weiterbildung als Qualitätsbeauftragte und baute das Qualitätsmanagement der Sozialstation auf. Erfolgreich, denn seitdem das Qualitätsmanagement seit 2000 für solche Einrichtungen Pflicht ist und regelmäßig unangekündigt vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) überprüft wird, schneidet die Sozialstation Alsfeld/Romrod immer mit sehr guten Ergebnis ab.

Das Qualitätsmanagement gut im Griff, suchte auch Michaela Schwohl nach neuen Aufgaben und fand sie in der Weiterbildung zur Pflegedienstleitung. Nebenberuflich bildete sie sich in Wiesbaden weiter und übernahm 2010 die Leitung der Kurzzeitpflege im Kreiskrankenhaus. "Dies war damals schon ein großer Schritt für mich, denn durch das Qualitätsmanagement war ich aus der aktiven Pflege schon einige Zeit draußen", erinnert sich die sportliche Frau. "Auch jetzt wird es wieder eine große Umstellung für mich werden, aber ich freue mich darauf, auch wenn ich weiß, dass ich noch viel lernen muss..."

Dennoch hat sie sich zu dem Schritt, die Leitung der Sozialstation Alsfeld/Romrod zu übernehmen, entschieden: "Mit fast 50 Jahren war es an der Zeit, noch einmal einen weiteren Schritt zu gehen", erinnert sie sich an ihre Überlegungen vor der Bewerbung.

Und sie weiß Manfred Steuernagel ist bei Bedarf noch einige Zeit an ihrer Seite. Dennoch, es wird nicht einfach werden, dessen ist sie die zweifache Mutter bewusst: "Der Pflegenotstand ist auch hier angekommen. Es ist schwierig examinierte Kräfte und Personal zu bekommen. Es gibt immer weniger, die diese Ausbildung machen möchten", ist die Erfahrung der engagierten Frau. Deshalb wird ihr Augenmerk auch auf einem liegen: "Die Mitarbeiter sollen sich hier wohlfühlen, das war immer so und das soll auch immer so bleiben. Wir sind ein Team!"


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