15. Mai 2019 - Ev. Kindergarten

Quelle: OZ Alsfeld, 15.05.2019 / Linda Buchhammer

Sie knistert und riecht

Storndorfer Vorschulkinder gehen mit Eifer ihr Zeitungsprojekt an – Mehr als nur Information, sondern kreatives Bastelmaterial

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Dass eine Print-Zeitung in ihrer Beschaffenheit nicht nur ein informativer Träger von Nachrichten und Bildung ist, thematisieren die Vorschulkinder des Storndorfer Kindergartens während ihres Zeitungsprojektes. Foto: Buchhammer

STORNDORF. Kleine Welt ganz groß -  für Storndorfs Vorschulkinder "Wackelzähne“ der evangelischen Kindertagesstätte „Haus der kleinen Füße“ beginnt der Tag mit begeistertem Zeitunglesen: Im vergangenen Monat waren Kruschel, das knuffige Zeitungsmonster unserer Zeitung und sein Freund „Sebbo“ - alias Sebastian Hartings - mit ihrem fröhlichen „Kruschel-Mitmach-Zirkus-Programm“ in Storndorf zu Gast.

Das Gastspiel von Kruschel war keineswegs ein zufällig-entdecktes Unterhaltungsprogramm, sondern der Höhepunkt eines pädagogisch-wertvollen Lernprojektes zur Förderung des Interesses am Lesen sowie weiterer Kompetenzen - angefangen bei der Feinmotorik, über die Wahrnehmung der Bilder und Buchstaben, bis hin zur Verwendung der Zeitung als kreatives Bastelmaterial.

Kurzum ist unsere Zeitung weitaus mehr als die gebündelte Sammlung von Pressenachrichten und Berichten auf Papier, stellte sich für die Kindergartenkinder schnell heraus.

„Meine Oma bekommt die jeden Morgen ganz früh in den Briefkasten gesteckt und gibt sie später an meine Eltern weiter. Die knistert und riecht. Da sind immer ganz schöne Bilder drin. Und viele Buchstaben als Texte. Die trägt hier eine Frau mitten in der Nacht aus. Sie ist ganz schön mutig. Da gibt es auch eine Kinderseite. Mir ist die Schulseite schon aufgefallen. Meine Oma und Opa blättern die von hinten nach vorne. Da habe ich schon meine Nachbarn auf einem Foto gesehen. Und unseren Kindergarten. Da stehen Nachrichten aus aller Welt drin. Ich darf am Samstag den Teil mit Kruschel haben. Da gibt es auch viele Bilder von Fußballspielen. Und ich darf die manchmal sogar als Unterlage zum Malen oder Basteln benutzen. Wir dürfen hier im Kindergarten aus der Zeitung.die Sachen herausschneiden, die uns gefallen, und hängen sie an unsere Pinnwand“, erzählten Lian, Mats, Lenni, Philipp, Anton, Tim, Ben, Janne und Maris im Stuhlkreis mit Erzieherin Hiltrud Georg und Kita-Leiterin Emilia Miller. Und zur Krönung des Ganzen präsentierte die Runde sogar eine eigene Lesegeschichte, die sie gemeinschaftlich mit viel Kreativität zusammengetragen hatte. Jeder formulierte einen Satz, heraus kam ein Abenteuer von einer „Hexennacht in Storndorf“ (siehe gelben Kasten).

„Auch wenn sie noch nicht alles lesen und verstehen können, gibt die Zeitung den Kindern schöne Impulse und regt die Fantasie an“, reihten die Erzieherinnen an. Offen beschrieben die Jungen ihre Art. des Zeitungslesens. Mit Eifer werde Seite für Seite umgeblättert und inspiziert. Eine magische Anziehungskraft haben bei ihnen zweifelsohne die Bilder. Im Nu verrieten die Jungen ihre Lieblingsthemenbereiche und besonderen Interessen am lokalen Sportgeschehen, den Einsätzen der Feuerwehr, an der Kinderseite mit Kruschel, an flotten Rennautos und Tieren wie Alpakas, Dinos und den Störchen auf dem Alsfelder Storchennest. Einige Kinder bekommen abends noch immer von ihren Eltern vorgelesen, andere nehmen selbst ihr Lieblingsbuch zur Hand, weiteten die Jungen. die Einsichten ins Leseverhalten aufihr heimisches Umfeld aus. Wie sehr sich die Vorschüler letztlich im Kindergarten mit dem Medium „Zeitung“ auseinandersetzten, zeigte sich schließlich in einem großen Fragekatalog. Genauestens wollten die Kinder wissen, wie die Zeitung entsteht, die Redaktion arbeitet und die Kamera der Reporterin funktioniert. Wie Termine koordiniert werden und Geschichten entstehen. Wann die Reporter schreiben und sie genauso viel Stress haben, wie einige Papas und Mamas und ob die Arbeit Spaß macht. Ob man von der Arbeit reich wird. Fragen um Fragen, deren Antworten mitunter ziemlich erstaunte Gesichter mit „Aha-Effekt“ oder „das hätten wir aber so nicht gedacht“ hinterließen. Schnell wurde den Kindern klar, dass man natürlich ein gewisses „Grundgerüst“ für den Beruf des Journalisten benötigt. „Ich muss also in ‚der Schule gut Lesen und Schreiben lernen und mich für viele Dinge interessieren. Dann passe ich mal gut auf“, fasste ein Fünfjähriger zusammen. Dass eine Print-Zeitung in ihrer Beschaffenheit jedoch nicht nur ein informativer Träger von Nachrichten und Bildung ist, sondern sich darüber hinaus auch hervorragend zum Malen, Spielen und Basteln eignet, merkten die Kinder recht schnell im Abschlussteil der Stunde. Herzhaft fingen sie an zu Lachen, als kurzum manch” abgedrucktes Motiv per Kuli und Buntstift ein neues „Face-Lifting“ bekam. „Das ist lustig“, entdeckten die Kids eine neue Facette der Wahrnehmung und malten mit Eifer die neuen Eindrücke.

Einen weiteren Vorteil lernten die Kids beim Falten eines schicken Robin HoodZeitungshutes und schützenden Malerhutes kennen. „Man kann auch aus ausgeschnittenen Buchstaben ein Buchstabenrätsel machen“, reihte ein aufgewecktes Kind freudig eine Idee an. Am Ende gaben die Vorschüler sogar noch einmal Gas und es wurde richtig spannend im Raum - mit vollem Tatendrang griffen sie zur Schere und erweckten meterlange Zeitungsschlangen zum Leben. „Das kann man mit keinem Handy, Tablet oder Computer machen“, setzte ein schlaues Kerlchen dem ‚ganzen Geschehen die Krone auf.
Wie Recht er hatte …


„HEXENNACHT IN STORNDORF” - EIGENE GESCHICHTE DER KINDER

» Es war einmal am 30. April. Da bin ich durch Storndorf gegangen und da habe ich auf einmal ein Feuer gesehen, das Maifeuer. Dort sind viele Hexen durch die Luft geflogen. Da bin ich schnell zum Glücksbrunnen gelaufen und habe dort ein Fahrrad mit zehn Gängen bekommen. So konnte ich schnell vor den Hexen fliehen. Ich bin so schnell gefahren, dass die Hexen mich nicht mehr sehen und fangen konnten. Eine Hexe hat ihren Besen verloren und ist auf die Erde auf ihren Popo gefallen. Da habe ich mir schnell den Besen genommen und bin weggedüst. Die Hexe hat geschimpft und hat sich ein Hexenpferd gehext, das fliegen konnte und ist hinter mir her geflogen. Aber das Pferd war zu langsam und hat mich nicht gefunden. Es ist auf den Sportplatz gefallen und hat dort mit der Hexe Fußball gespielt. Das Pferd hat acht Tore geschossen und die Hexe nur eins und darum hat das Pferd gewonnen und die Hexe hat dem Pferd einen goldenen Pokal gezaubert.
Dann hat sich die Hexe einen Bulldog gezaubert und ist davon gedüst. Aber der Bulldog war so langsam, da hat sie sich ein Rallye-Auto gehext und ist beim Stehr auf der Rennbahn gefahren. Da musste sie in einer Kurve eine Vollbremsung hinlegen und ist durchs Fenster geschleudert worden. Die Hexe war schwer verletzt. Aber Gott sei dank hat sie sich wieder selbst gesund gezaubert. Da hat sie sich lieber einen Wolf gezaubert und ist mit dem Wolf weggesaust. Der Wolf ist in den Wald gerannt. Dort hat sich die Hexe einen Ford GT gezaubert und ist auf den Berg gerast und wieder runter. Da hat sie ihr Hexenhaus gesehen, ist aus dem Auto gesprungen und auf den Kies gefallen. Da bin ich wach geworden. War alles nur ein Traum.

Diese Geschichte haben sich Ben, Tim, Maris, Janne, Lian, Philipp, Lenni, Anton, Mats und Luesa ausgedacht.  Die Erzieherin Hiltrud Georg hat den ersten Satz gesagt, dann haben sich die Kinder, der Reihe nach ausgedacht, wie die Geschichte weitergeht. (Ib)


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