Gründung Gruppenpfarramt 1969

Ein Bericht im "Blättchen" Nr. 1 vom 1. 11. 1969

Quelle: Festschrift "20 Jahre Gruppenpfarramt Vogelsberg"

Am Freitag, den 17.10. trafen sich die Kirchenvorsteher aus Köddingen, Ober-Breidenbach, Storndorf, Strebendorf und Stumpertenrod zu einer gemeinsamen Kirchenvorstandssitzung im Dorfgemeinschaftshaus in Köddingen. Auf der Tagesordnung standen Strukturfragen unserer Kirche insbesondere das für die beiden Kirchspiele Ober-Breidenbach und Stumpertenrod geplante Gruppenpfarranmt.

Vikar Kalbhenn eröffnete die Sitzung mit einer kleinen Andacht. Anschließend umriß Pfarrer Dr. Rühl die Problematik des kirchlichen Lebens des heutigen modernen Dorfes. Er führte unter anderem aus, daß das Zusammengehörigkeitsgefühl in unseren Dörfern immer mehr schwinde, Die Gründe hierfür fand er in der Tatsache, daß immer mehr berufstätige Menschen ihren Arbeitsplatz außerhalb des Dorfes finden, daß die Schulkinder zentral in Mittelpunktschulen unterrichtet werden und daß die Motorisierung diese Entwicklung außerordentlich begünstigt. Wenn die Kirche auch weiterhin eine Wurzel der Kraft für die dauerhafte Gestaltung des dörflichen Lebens sein wolle, so müsse sie dieser Entwicklung Rechnung tragen.

Vikar Hotz umriß anschließend die Schwierigkeiten des herkömmlichen Pfarramtes aus der Sicht des Pfarrers. Zu viele Aufgabengebiete seien es, denen der Pfarrer verpflichtet sei. Er solle sonntags eine gute Predigt halten, wochentags den Religionsunterricht in den Schulen sowie den Konfirmandenunterricht erteilen, außerdem die Seelsorge nicht vernachlässigen, Jugendabende abhalten und darüber hinaus auch noch Verwaltungsfachmann sein und sich im Finanz- und Bauwesen auskennen. Hier seien auch die Gründe für den mangelnden Pfarrernachwuchs zu suchen. Diese vielfältigen Aufgaben seien von einem Pfarrer kaum zu bewältigen.
Eine Lösung dieses Problems, so führte Pfarrer Grün aus, biete die Einführung des Gruppenpfarramtes. Hierbei sei geplant, bestimmte Aufgabenbereiche innerhalb der beiden Kirchspiele schwerpunktmäßig zu verteilen.

Das bedeute, daß jeder Pfarrer vorwiegend in den Bereichen eingesetzt werden könne, in denen er sich "stark fühle". Lediglich der Bereich der Seelsorge solle hiervon ausgenommen sein. Für die Pfarrer bedeute das insofern eine Erleichterung, als sie eine einmal vorbereitete Predigt oder Konfirmandenstunde nicht nur in der eigenen Gemeinde, sondern auch im benachbarten Kirchspiel halten könnten. Sie würden so Zeit einsparen, da sie ja nur alle zwei bis drei Wochen eine neue Predigt vorzubereiten hätten. Auch die einzelnen Gemeinden kämen hierbei nicht zu kurz, da sie einmal mit einer qualitativ besseren Predigt rechnen könnten, zum anderen auch mehr Abwechslung durch verschiedene Pfarrer im sonntäglichen Gottesdienst hätten.

In der anschließenden Diskussion begrüßten die anwesenden Kirchenvorsteher diesen Schritt und waren mit der Einführung eines derartigen Gruppenpfarramtes im Zuge der allgemeinen Arbeitsteilung sehr einverstanden. /De