15. Mai 2020 - Gruppenpfarramt Vogelsberg - Tägliche Andacht

von Pfr. Peter Weigle

Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten

Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er bei ihnen lange warten? - Lukas 18,7

Der Recht schaffende Gott
mag eine berechtigte Phantasie sein,
klingt mir allerdings etwas juridisch.

In mir löst dieser Text
vielleicht als Ausdruck
meiner ‚deformation professionelle‘
das Bild eines Krankenbettes aus,
da Gott Beistand, Trost und Nähe schenkt.

Ein Kranker
will in der Regel nicht primär,
dass ihm Gerechtigkeit widerfahre, -
er will sich geliebt und angenommen wissen,
er will sich bergen dürfen
in des Freundes Zuwendung,
er sucht die Gesten der Zärtlichkeit,
da seine Verfassung so rau und wund ist.
Er sucht Balsam
und das in solchem Moment eher Anerkennung
denn Recht.

Ich selbst habe an manchem Sterbebett gewacht,
gebetet, gesungen und gebangt,
mit meiner Ohnmacht gekämpft
und meine Fluchtimpulse wohl zu selten
und zu wenig lange bezwungen.

Es ist nicht leicht auszuhalten,
wenn vor einem ein leidender Mensch
nur noch mit dem Schmerz oder dem Atem ringt
und man kann so gar nichts tun.

Edel schrieb
nach meinen Pastorentagen in Liederbach:
‚Und du predigtest Gott als Freund
und warst den Menschen ein Freund!‘

Ja, so ist und wirkt mein Gott,
auf den ich hoffe.

Kommentar schreiben

Achtung: Ihre Daten werden gespeichert.


Sicherheitscode
Aktualisieren


Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.