7. Juni 2019 - Gruppenpfarramt Vogelsberg

Quelle: OZ Alsfeld, 07.06.2019

Gemeinsam statt einsam

Gruppenpfarramt des Dekanats Vogelsberg feiert 50. Geburtstag: Jubiläumsgottesdienst auf Totenköppel mit Kirchenpräsident Dr. Jung

Gruppenpfarramts Team small

Die Pfarrerinnen und Pfarrer im Gruppenpfarramt: Peter Weigle, Jürgen Pithan, Dorothee Tullius-Tomä3ek, Dorothea Witznick und Christian Tröger. Foto: Schlitt

VOGELSBERGKREIS (red). Der Legende nach wollten die Pfarrer der damaligen Kirchengemeinden Stumpertenrod, Köddingen und Storndorf ihren Schäfchen ein gutes Beispiel für Zusammenarbeit geben und gleichzeitig etwas gegen die Vereinsamung der Geistlichen auf dem Land tun. Die Stimmung für etwas Neues war damals, Ende der revolutionären 60er Jahre, gut, sodass die Idee auch in den Kirchengemeinden auf fruchtbaren Boden fiel.

Später warb auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für das Projekt Gruppenpfarramt, um gemeindliche Arbeit auf verschiedenen Ebenen zusammenzuführen. Einige Gemeinden der Landeskirche machten damals mit, viele sind in der Zwischenzeit wieder abgesprungen - im Vogelsberg blieb man dabei, sodass es heute - in Zeiten, in denen Kooperationsräume als ein Mittel der Erneuerung gesehen werden - modern ist wie nie.

Dabei sehen sich die Pfarrerinnen und Pfarrer, deren Gemeinden heute zum Gruppenpfarramt gehören - Dorothée Tullius-Tomášek (Ober-Breidenbach), Dorothea Witznick (Stumpertenrod), Christian Tröger (Meiches), Jürgen Pithan und Peter Weigle (Brauerschwend) - gerade nicht als Vorreiter für das Modell der gabenbezogenen Amtsausübung: „Das Schöne im Gruppenpfarramt ist, dass wir Gemeindepfarrer sind, die für ihre Gemeinden von der Seelsorge über die Gottesdienste und die Kasualien bis hin zu Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie Besuchsdiensten wirklich alles machen, was in der Gemeinde anfällt.Gleichzeitig kooperieren wir aber verbindlich mit den anderen Kirchengemeinden im Gruppenpfarramt.“

Kanzeltausch

Für die Kirchengemeinden hat diese Kooperation viele Vorteile, finden die Pfarrerinnen und Pfarrer: Der Kanzeltausch bietet den Gottesdienstbesuchern verschiedene Sichtweisen und Ansätze, da jeder Pfarrer und jede Pfarrerin anders predigt und andere Schwerpunkte setzt und Impulse liefert. Auch für die Geistlichen selbst bietet der Kanzeltausch Vorteile: Man lernt Region und Leute kennen.

Gleichzeitig lernen die Gemeindemitglieder auch alle Geistlichen kennen und werden im Fall von Vertretungen - auch für die Dauer von Vakanzen - nicht von wechselnden oder fremden Pfarrern versorgt. Darüber hinaus können mehrere Gemeinden zusammen auch andere Angebote machen als einzelne kleine: „Größere Veranstaltungen wie ‚Theater in der Kirche‘, ‚Nacht der Musik‘ oder das ‚Vater-Kind-Basteln‘ wären nur von einer Kirchengemeinde allein gar nicht machbar“, lautet ein Fazit der Pfarrerinnen und Pfarrer.

„Alles richtig“, wirft Pfarrer Tröger ein, dennoch fänden manche Gemeindeglieder es auch nicht so gut, wenn „ihr Pfarrer“ sich so oft in anderen Kirchengemeinden tummelt. „Viele Gemeindeglieder sind aber stolz darauf, dass sie zum Gruppenpfarramt gehören und eine ganz eigene gute Form des Miteinanders leben“, fügt Pfarrer Pithan ein. Ihr Gruppenpfarramt ist gewachsen, hat sich entwickelt und ist jetzt irgendwie genau richtig: „Wie so ein Alt68er - damals hipp, jetzt ein wenig ruhiger geworden, aber immer noch zeitgemäß und cool drauf“ - eine Beschreibung von Pfarrer Tröger, die passt. Und trotz aller Kritik wundert er sich, dass es nicht mehr Gemeinden machen: „Es ist ein gutes Konzept, eine wirkliche Alternative zu den Kooperationsräumen.“


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