5. Oktober 2018 - Ev. Kirchengemeinde / Gruppenpfarramt

Quelle: OZ Alsfeld, 04.10.2018

Faszinierende Virtuosität

Der 22-jährige Christian David Karl spielte auf der Orgel der Kirche von Hergersdorf

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Zu jeder Zeit in voller Konzentration und Leidenschaft: Christian Karl an der Orgel der Kirche von Hergersdorf. Foto: M. Perkuhn

HERGERSDORF (mpe). Mit jugendlichem Esprit und faszinierender Virtuosität gleichermaßen brachte Christian David Karl eine Bandbreite von barocken Klängen aus der knapp 60 Jahre alten Orgel der Hergersdorfer Kirche ans Licht. Ganz so wie man es von dem 22-jährigen Studenten der Kirchenmusik gewohnt ist.

Diese anderthalbstündige Orgelvesper moderierte er sowohl interessant als auch immer locker und mit einem kräftigen Schuss Humor. Wobei er nicht zuletzt in einem sportlichen Tempo jeweils seine Positionen wechselte: Erfolgten die Erklärungen zu historischen Gegebenheiten oder zum Leben der Komponisten im Altarraum vor dem voll besetzten Kirchenschiff, so fand das Orgelspiel oben auf der Empore statt.

Im Gepäck hatte Christian Karl an diesem Abend vornehmlich Werke aus dem Barock, von Dietrich Buxtehude, von Johann Sebastian Bach, von Girolamo Frescobaldi, um 1620 Organist am Petersdom in Rom. Außerdem konnte man Variationen von einem der maßgeblichen „Urväter" kirchlicher Orgelmusik erleben, von Jan Pieterszoon Sweelinck. Letzterer der älteste in der Reihe der vier namhaften Komponisten an diesem Abend, geboren 1562, lebte er bis 1621 und war unter anderem Kantor in Amsterdam. Zu ihm, so schilderte es Christian Karl, seien die Schüler aus Norddeutschland „gepilgert", wohingegen die süddeutschen Schüler bei Frescobaldi in Rom ihre Lehrzeiten absolviert hätten. Johann Sebastian Bach sei um 1705 eigens 400 Kilometer zu Fuß von Arnstadt nach Lübeck unterwegs gewesen, um für vier Monate Unterricht bei Buxtehude zu nehmen, seinerseits ein Enkelschüler von Sweelinck. All diese und noch viel mehr Informationen waren kurzweilig, nicht langatmig und wurden zu jeder Zeit emotional und musikalisch auf hohem Niveau getragen durch die gespielten Stücke auf der Orgel.

Gefesselt blieb der Zuhörer, ob bei einem Präludium, bei einer „Fantasia", einer Toccata oder einer Fuge. Ihren Rahmen erhielten alle Stücke durch mitreißende Improvisationen, eine Kunst, die der Ober-Breidenbacher bereits mit sechs bei seinem ersten Klavierunterricht zu üben begann und die er bis heute ausbauen konnte. Für diese durften sich die begeisterten Besucher jeweils Lieder oder Themen wünschen, die Christian Karl im Anschluss in packender Weise servierte. Schwungvoll mit allen gezogenen Registern oder sanft wie ein Frühlingsvogel tirillierend, melancholisch wie ein Herbstmorgen im Nebel oder spektakulär mit gewissen Dissonanzen - alles erlebte man plötzlich in anderen Dimensionen. Lieder wie „Lobe den Herren" oder gar „Hänschen klein" bis hin zu einer Improvisation „über gegebene Affekte" - es ging unter die Haut. „Der lässt die Orgel brennen!", raunte jemand im Publikum.

Mächtiger, am Ende stehender Applaus und Bravo-Rufe waren dem jungen Organisten sicher. Pfarrer Jürgen Pithan sprach nach dem Segen das aus, was sich viele wünschten: „Wir hoffen auf ein Konzert im nächsten Jahr!" In naher Zukunft allerdings wird Christian Karl zunächst das „Lauterbacher Vokalensemble" begleiten, am Samstag, den 3. November und am Sonntag, den 4. November, jeweils um 18 Uhr, in der Evangelischen Kirche von Hirzenhain und danach in der Stadtkirche von Lauterbach.


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