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Zeitungsbericht vom 17.08.2010

Quelle: Oberhessische Zeitung, Alsfeld

„Setzen, falsch! Bei mir melden zum Kartoffel ausmachen"

Mit historischer Schulstunde den 100. Geburtstag der Storndorfer Schule gefeiert


STORNDORF (mp). Es kratzten Griffel auf kleinen Schiefertafeln, es wurde gewischt mit kleinen Schwämmchen, getrocknet . Abgeschrieben in gestochener Schrift wurden die Worte von der alten holzgerahmten Wandtafel, die der 86-jährige Otto Kraus vorne an die Tafel geschrieben hatte. Mit strengem Blick, angezogen mit einem original rabenschwarzen „Gehste-hinter-mich", den Zeigestock in der Hand, so stand Lehrer Bernd Georg im historischen eingerichteten Klassenzimmer.

Vor ihm mit großen Augen „Schüler" und „Schülerinnen", quer durch alle Generationen. Alte Landkarten und ABCs an der Wand, alte Schulbänken aus abgeschrubbtem Holz bildeten ein authentisches Ambiente, ab und zu klingelte die Glocke in der Hand des Schulmeisters. Die erste Unterweisung erfolgt: Wie melde ich mich richtig? „Den linken Ellbogen gestützt in die rechte Hand und jetzt Ruhe, bitte!" ,Ja, Herr Lehrer!" „Wie viel gibt drei mal neun, Sabine?" „26!" „Setzen, falsch! Bitte bei mir zu Hause melden, zum Kartoffel ausmachen!"

Nicht nur in den beiden historischen Schulstunden wurde die Zeit zurück gedreht. Hunderte von ehemaligen Schülern der Schule in Storndorf feierten an zwei Tagen in einer zweiten Jubiläumsrunde noch einmal den 100. Geburtstag ihrer Schule. Ob bei einem lebendigen Kommersabend, an dem die Besucher noch gegen Mitternacht noch nicht nach Hausegehen wollten oder bei einer munteren Singstunde „wie es früher war" mit Klaus Decher oder einer Stunde zur Sütterlin-schrift. Immer waren der Saal des Dorfgemeinschaftshauses oder das historisch eingerichtete Klassenzimmer bis auf den letzten Platz besetzt.

Bereits am ersten Tag hatten viele Jahrgänge in Storndorf sich getroffen und Erinnerungen aufgefrischt. Darüber hinaus nutzten viele Besucher für einen Besuch im alten Schulgebäude. Während des Kommersabends sprachen Grußworte SPD-MdL Manfred Görig, Schuldezernent Hanns-Michael Diening, Dieter Boß als Vorsitzender der Gemeindevertretung Schwalmtal, zu den offiziellen Gästen gehörten Schulleiterin Anita Müller-Schulz, sowie der ehemalige Rektor Karlheinz Otterbein, heute fast 80 Jahre alt. Anwesend waren neben den ehemaligen Storndorfer Schulen auch zahlreiche Lehrer, die im Verlauf der Jahre an der Storndorfer Schule bis heute unterrichteten. Durch das Programm führte Ortsvorsteher Alfred Pä-bler, der in einem lebendigen und kurzen geschichtlichen Abriss den Bau der Storndorfer Schule erläuterte. Als Referenten hatte man an diesem Abend Dr. Ulf Häbel eingeladen zum Thema „Kleine Schulen im ländlichen Raum". Eine Schule im Ort hält er besonders wichtig zur Identitätsbildung für Kinder, eine Schule bedeute Leben, Dreh- und Angelpunkt für einen Ort. Dorfschule heiße ebenfalls: „Kurze Wege für kurze Beine!"

Eröffnet wurde nach dem Kommers eine gut besuchte Ausstellung, die ihresgleichen sucht: „Aus der Storndorfer Schule hinaus in alle Welt". Auf einer Weltkarte findet man zahlreiche Fäden,die von dem kleinen Dorf im Vogelsberg hinaus fuhren über den Globus. Neben-dran auf Stellwänden findet man die Fotos, Antwortschreiben und persönliche Grüße vieler ehemaliger Schüler: aus Italien, Australien, Kanada, China, Neuseeland, um nur wenige zu nennen.

Der Sonntag begann mit einem gut besuchten ökomenischen Festgottesdienst. Anschließend wurde eine Ausstellung mit über 300 Bildern und Dokumenten aus der Geschichte der Schule eröffnet. Technik machts möglich: Über 200 Fotos wurden an Ort und Stelle ausgedruckt, die Besucher mit nach Hause nahmen. Musikalisch wurde das gesamte Programm dieses Tages begleitet von den Storndorfer Schützen. Kinder des Kindergartens trugen Lieder vor wie auch der Evangelische Kinderchor Storndorf-Vadenrod, die Storndorfer Landmädchen begeisterten mit ihren Tänzen und ihren schwingenden langen Röcken.

Viele Helfer hatten sich hinter den Kulissen stark gemacht für diese weitere Geburtstagsfeier für die Storndorfer Schule. Besonders zu nennen Bernd Georg und Lothar Dymianiw. Was diese Feier auszeichnete, war ihr breites Spektrum. Für jede Generation war etwas dabei. Selbst die Kleinsten waren eingebunden bis zum Schluss: Als Bernd Georg von der Bühne die Namen der Losgewinner des Kinderrätsels verlas und jeder mit einem Gewinn nach Hause gehen konnte. Geöffnet ist das historische Klassenzimmer, die Bilderausstellung und die Ausstellung „Aus der Stomdorfer Schule in alle Welt" noch bis zum kommenden Freitag ab jeweils 18 Uhr oder nach Absprache mit Bernd Georg unter ® 06630/-382.


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