28. Juni 2019 - Heimische Wirtschaft

Quelle: OZ Alsfeld 28.06.2019

Erfolgreich trotz Niedrigzinspolitik

Schließungen von Bankfilialen kommen für die Volksbank Feldatal nicht infrage. Das Geldinstitut bekennt sich zu seinen Standorten und genossenschaftlichen Werten.

STORNDORF - Vorstand und Aufsichtsrat der Volksbank Feldatal haben jetzt im Storndorfer Dorfgemeinschaftshaus für das Geschäftsjahr 2018 ein "gutes Ergebnis" vorgelegt. Vor allem "dank guter Einnahmen aus Vermietung" konnte sich die Genossenschaftsbank weiter am Markt behaupten, wie die Vorstandsmitglieder Stefan Wiederspahn und Günter Benda den rund 50 Teilnehmern der Generalversammlung erläuterten, die mit einem Grußwort des Schwalmtaler Bürgermeisters Timo Georg (parteilos) begann.

Als belastend für die Erträge der Volksbank, wie für viele andere Geld- und Kreditinstitute, habe sich vor allem die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) erwiesen. Wie Günter Benda darlegte, möge der extreme Zinsverfall "zwar den privaten Häuslebauer als auch die mittelständischen Firmenkunden erfreuen", er "belaste aber extrem die Sparquote sowie die Ertragslage von Banken und Versicherungen". Den Ertragsausfall für die Volksbank Feldatal bezifferte er auf etwas mehr als 800 000 Euro.

Dieser Entwicklung ist sein Institut mit dem Erhalt des Filialnetzes, dem Ausbau des Kreditgeschäfts und vor allem dem Einstieg in Investitionen in Mietimmobilien begegnet. Vor sechs Jahren hatten die Mitglieder eine Satzungsänderung beschlossen, die es dem Vorstand seitdem erlaubt, "in gut rentierliche Mietimmobilien zu investieren." Ein Beschluss, der sich auszahlt: "Die Mieteinnahmen, die inzwischen größer sind als die Zinseinnahmen, machen etwa 1,2 Millionen Euro pro Jahr aus", berichtete Benda. Damit bildeten sie auf Dauer den Grundstock für den Erhalt der Selbständigkeit der Volksbank Feldatal. Deren Eigenkapital beträgt jetzt 4,5 Millionen Euro.

Die Bilanzsumme der Bank liegt bei knapp 53 Millionen Euro. Sie hat sich um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr reduziert, was im Kern auf nicht mehr benötigte und zurückgezahlte Refinanzierungskredite zurückzuführen sei, so Benda. Er führte weiter aus, dass die Kundeneinlagen um 1,5 Millionen Euro angewachsen seien, was seinen Grund in der Schließung von Sparkassen-Filialen vor Ort habe. Solche "Einsparungen durch Schließung von Bankfilialen sei derzeit an der Tagesordnung", ergänzte sein Vorstandskollege Wiederspahn. "Das kommt für die Volksbank Feldatal nicht in Frage. Wir gehen nicht weg und lassen unsere Kundschaft zurück", grenzte er die Geschäftspolitik seines Instituts demgegenüber ab. Er erneuerte sein vor drei Jahren gegebenes Versprechen, "dass wir in Storndorf bleiben".

Der Bankvorstand erinnerte an die Grundidee der Genossenschaftsbanken, bei der es "keine Rolle spiele, wie viel Kapital eine einzelne Person investiert hat". Es gelte das Prinzip: "Ein Mitglied, eine Stimme." So ist es möglich, "uns zu sagen, ob Sie mit unserer Arbeit zufrieden oder auch nicht zufrieden sind", warb Wiederspahn für den Genossenschaftsgedanken bei den anwesenden Bankeigentümern. Insgesamt hat die Volksbank Feldatal etwa 1100 Eigentümer.

Wiederspahn zählte diverse Bereiche des Engagements der Volksbanken auf, zum Beispiel für soziale Belange, wie die Schaffung bezahlbaren Wohnraums oder den Bau von Kindertagesstätten sowie für ökologische Projekte, wie die Versorgung von Kommunen mit Ökostrom. Dabei stellte er als lokales Engagement das derzeit entstehende Neun-Familienhaus in der Ortsmitte von Groß-Felda heraus: "Wir schaffen dadurch nicht nur zusätzlichen, bezahlbaren Wohnraum, die Bauweise ist auch seniorengerecht, zum Beispiel durch den Einbau eines Aufzugs, durch breitere Türen und große ebenerdige Duschen. Und weiterhin bewirkt der Neubau auch eine optische Aufwertung des Ortskerns."

Im Anschluss an den Vorstandsbericht wurde den Versammlungsteilnehmern ein Jahresrückblick zu wichtigen Ereignissen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen wie Politik, Kultur und Sport geboten. Die Video-Präsentation lief auf einem Bildschirm im Rücken des Podiums ab, das auf der erhöhten Bühne des Bürgerhauses platziert war. Den Menschen im Saal wurde so der Blick auf die gebotenen Bilder nicht gerade leicht gemacht.

Das nahmen sie hin und Fragen zu den Ausführungen des Vorstands sowie des Aufsichtsrats, konnte Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Wolfgang Hartmann, der die Versammlung leitete, nicht feststellen. Er selbst und Ditmar Gerhard, die turnusmäßig aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden waren, wurden für drei Jahre erneut in das Gremium gewählt. Außerdem beschloss die Generalversammlung eine Satzungsänderung, die das maximal zulässige Alter für ein Aufsichtsratsmitglied auf 78 Jahre heraufsetzt. Vorstand und Aufsichtsrat waren zuvor einstimmig entlastet worden. Der Verwendung des erwirtschafteten Jahresüberschusses von rund 90 000 Euro (Bilanzgewinn) stimmten die Versammlungsteilnehmer einhellig zu. Diese sieht eine Dividende von drei Prozent vor.


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