07. November 2011

Windräder am Horizont

Sieben neue Windkraftanlagen entstehen – dreimal BürgerWIND-Ulrichstein, viermal hessenWind

(EL) Mit dem Gedanken, sich an einem Windpark beteiligen zu wollen, sind immer wieder Personen aus Ulrichstein, Lautertal und Schwalmtal an Ernst Bohn herangetreten, mit der Bitte, sie über mögliche neue Beteiligungsvorhaben beim Bau neuer Windkraftanlagen rechtzeitig zu informieren.

Arrondierung – Vorprüfungen

Zur Arrondierung des bestehenden Windparks „Goldner Steinrück" in Helpershain hatten die Stadt Ulrichstein und die Gemeinde Lautertal gemeinsam ein Abweichungsverfahren von den Festsetzungen des Regionalen Raumordnungsplanes für die dortige Vorrangfläche zur Nutzung von Windenergie beantragt und die hessenENERGIE GmbH  gebeten, im Vorgriff auf die späteren Planungen für ein Repowering der Altanlagen am dortigen Standort die Einbindung weiterer moderner WEA auf der so geschaffenen Erweiterungsfläche zu prüfen.

Nach dem Ergebnis dieser Vorprüfung war hier der Zubau von 7 WEA mit je 2,3 bis 3 MW Generatorleistung je Anlage möglich. Die hessenWIND VI, eine 100 %-ige Tochtergesellschaft des regionalen Stromversorgers OVAG, war sofort bereit, die Planung und den Bau dieser Windkraftanlagen zu übernehmen. Die Kommunen Ulrichstein und Lautertal, als Träger der Planungshoheit wollten jedoch in möglichst breitem Umfange den Bürgern vor Ort und des Landkreises Beteiligungsmöglichkeiten anbieten.

Bürgerprojekt Windenergie

So kam es, dass das Vorhaben der hessenWIND auf den Bau von 4 Windanlagen „abgespeckt" werden musste. Ein guter Zeitpunkt, sich an diese Planungen „anzuhängen" und möglichst günstig das von vielen bereits sehnsüchtig erwartete Bürgerprojekt aufzugreifen und auf die Beine zustellen. Für Ernst Bohn, Frank Haberzettl und Erwin Horst war der Zeitpunkt gekommen, erste Pläne zu schmieden.

Ernst Bohn ging wochenlang die infrage kommenden Flächen (Windwurfflächen nach Kyrill) ab, um für die bereits im März 2009 auf schnellstem Wege gegründete Bürgerwindgesellschaft (Fa. BürgerWIND Ulrichstein Betriebs GmbH & Co. KG) die günstigen Anlagenstandorte zu finden. Schnell stellte sich auch heraus, dass das Beteiligungsinteresse der Bürger vor Ort so gross war, dass mindestens drei Windkraftanlagen gebaut werden mussten. Die künftigen Anlagenstandorte wurden „im Groben" durch Zaunpfähle gekennzeichnet und in die weiteren Vorabstimmungen zur Beplanung der gesamten Erweiterungsfläche mit aufgenommen.

Kaufverhandlungen mit ERNERCON

Als Nächstes, aber noch lange vor der Erarbeitung von Bauanträgen, standen bereits die Kaufverhandlungen mit ERNERCON in Aurich an, um schon damals die Lieferzeiten für Anlagen von 2-3 Jahren in einen zeitnahen Bauzeitenplan übernehmen zu können. Da soeben für den Windpark am „Ulrichsteiner Kreuz" durch die VWE Bohn & Co. OHG eine Windkraftanlage erworben worden war (die Anlage ist im Winter 2010/2011 aufgestellt worden), nutzte man durch den Zukauf weiterer Anlagen das bereits gesicherte Verhandlungsergebnis für insgesamt vier Windanlagen der Größenordnung von 2,3 MW. Der Kaufvertrag wurde dann schon am 09.03.2009 von Ernst Bohn, Elisabeth Lambert und Frank Haberzettl für die zu bauenden 3 Windkraftanlagen auf eigenes Risiko für die in Gründung befindliche BürgerWIND Ulrichstein KG unterschrieben.

Nur durch diese mutige Vorgehensweise war die zeitnahe Verwirklichung des „Bürgerwindparkes" überhaupt möglich. Auch wenn bei Nichterteilung der erforderlichen Baugenehmigung ein Ausstieg aus dem Vertrag – gegen Zahlung einer nicht unerheblichen Abstandssumme - noch möglich gewesen wäre.

Gründung Bürgerwind-Ulrichstein - Gesellschaftsziele

Zuvor wurde die Bürgerwind Ulrichstein Betriebs GmbH & Co KG gegründet und bis zum 31.10.2010 das erforderliche Gesellschaftskapital über die Beteiligung von insgesamt 137 Bürger/innen (Kommanditisten) eingeworben. Der erforderliche Haftungsprospekt beschreibt das Gesellschaftsziel (Bauvorhaben) wie folgt:

  • Bau von 3 WEA des Herstellers ENERCON Typ E – 82, E2
  • Leistung je Anlage: 2,3 MW
  • Nabenhöhe: 138,38 m
  • Rotordurchmesser: 82 m
  • Jahresertrag nach Gutachten: 16.200.000 kWh (entspricht dem Strombedarf von ca. 5400 Haushalten )
  • Inbetriebnahme: Spätherbst 2011
  • Finanzierung: 100% durch Kommanditisten
  • Gesellschaftskapital: 11.700.000,00 €
  • Geschäftsführung: Erwin Horst, unterstützt von Frank Haberzettl
  • „Windwart" und „Mädchen für alles": Ernst Bohn

Suche nach den besten Standorten

Für Letzteren begann die praktische Arbeit an den Anlagenstandorten jetzt erst richtig! Immer wieder mussten die Standorte angepasst werden. Die Windrichtung, Anströmung, Baumbestände, Abstandsflächen, Turbulenzen, Wegeführung, Kabelverlegung ..., alles musste berücksichtigt werden und Eingang in das laufende Genehmigungsverfahren finden. Die Anlagen bekamen dann ihren festen Standort in der Gemarkung Helpershain der Gemeinde Ulrichstein (2 WEA) und der Gemarkung Meiches der Gemeinde Lautertal (1 WEA).

Kommanditisten

Als Kommanditisten wurden in erster Linie die Bewohner von Helpershain und Meiches aufgenommen. Dann erst wurden die restlichen Anteile an Interessenten aus der näheren Umgebung vergeben. Die Erlangung der Genehmigung, ein Verfahren nach dem BImSchG, setzte die Erarbeitung eines umfangreichen Bauantrages, verbunden mit einem erheblichen Arbeitsaufwand und der Erstellung zahlreicher und sehr kostenaufwendiger Gutachten voraus. In guter Zusammenarbeit mit der hessenENERGIE GmbH wurde innerhalb von nur 3 Monaten ein fachlich in jeder Hinsicht qualifizierter Bauantrag erarbeitet. Die BürgerWIND KG konnte dabei den Vorteil nutzen, dass nahezu alle Planungskosten sich auf 7 Windkraftanlagen (4 E- 82 der hessenWIND VI / 3 E- 82 BürgerWIND KG) verteilt werden konnten.

Gutachten

Insgesamt wurden für die Erarbeitung des Bauantrages 26 Gutachten benötigt. So u.a. Gutachten zur

  • Avifaunistik ( 65 Seiten)
  • Fledermäuse (Kollisionsrisiko u. Monitoring)
  • Schallgut
  • Schattenwurf
  • Lichtimmissionen
  • Lärmschutz
  • Abstand zu Hochspannungsleitungen u. v. a. mehr.

Genehmigungsverfahren

Im Genehmigungsverfahren wurden insgesamt 10 Behörden, 12 Fachdezernate des Regierungspräsidiums und zahlreiche Verbände und Institutionen um ihre Stellungnahme und auch Zustimmung im Genehmigungsverfahren gebeten:

  • Jagdpächter
  • Hessenforst
  • Anliegende Gemeinden
  • Obere Forstbehörde
  • Obere Naturschutzbehörde
  • Untere Wasserbehörde (Grundwasserschutz)
  • Fischereibehörde
  • Flugsicherung
  • Kampfmittelbelastung – Räumung
  • Mehrere Fachbereiche des Landkreises
  • Naturschutzverbände
  • Staatl. Vogelschutzwarte Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland u. v. a. mehr.

Ausgleichsmaßnahmen

Parallel zum Bau der Windkraftanlagen verwirklicht die BürgerWIND KG gemeinsam mit der hessenWIND VI zahlreiche im Genehmigungsbescheid festgesetzte Ausgleichsmaßnahmen zur Kompensation von sog. „Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes und vor allem auch des Landschaftsbildes. Darüber hinaus werden als freiwillige Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraumes und zur Minimierung möglicher Konfliktrisiken für gefährdete Vogelarten durch die Bauherren Ausgleichsmaßnahmen geschaffen, die zusätzliche Investitionskosten in von rd. 300.000,00 € erforderlich machen, ohne dass diese zur Erlangung der Baugenehmigung erforderlich gewesen wären.

Dazu zählen:

  • 3 Fischbesentreppen in der Felda bei Kestrich,
  • Einbau von vier Sohlgleiten in der Ortslage Köddingen,
  • Ausbildung der Sohle am Göringer Bach im Durchlass der BAB A5 bei Romrod,
  • der Bau von 3 Naturteichen im Göringer Grund,
  • weitere habitatverbessernde Massnahmen für den Schwarzstorch.

Baubeginn

Am 29.01.2011 begannen nach der Erteilung der vorläufigen Baugenehmigung bei eiskaltem, aber sonnigen Wetter die ersten Arbeiten zum Wegebau und die Räumung der Anlagenstandorte. Nach den Vorgaben von ENERCON und den Speditionen für die Spezialtransporte sowie den Unternehmen, die die riesigen Aufbaukräne vorhalten, wurden die Montageplätze an jeden Anlagenstandort angelegt. Jede Windkraftanlage benötigt dabei eine Stell- und Aufbaufläche von ca 2500 qm. Die Kräne zum Aufstellen der Anlagen haben einen Ausleger von 150 m; geschaffen für Aufbauten bis zu einer Nabenhöhe von 138 m.

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Baumfällarbeiten am 11. Januar 2011

Im März begann der Wegebau und im Anschluss daran wurde der Aushub der Fundamente vollzogen. Unzählige Tonnen von Erdaushub wurden bewegt. Die Fundamente mit einem Durchmesser von 13,80 Metern wurden als „Ringfundamente" angelegt. In jedem Fundament wurden ca. 600 cbm Beton verbaut.

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Wegebau im April 2011 (KW 14)

Neues Erdkabel

Der gewonnene Strom wird über ein eigens neu verlegtes 20 KV Erdkabel dem Umspannwerk in Ulrichstein zugeführt. Dieses wird zur Aufnahme des ab November fließenden zusätzlichen Stromes erweitert. Der im UW-Ulrichstein derzeit installierte neue Trafo ist in der Lage eine zusätzliche Einspeisekapazität von über 40 Megawatt aufzunehmen, d. h. die erzeugte Strommenge von 18 Windanlagen mit der Leistung von 2,3 MW, wie diese derzeit in Helpershain und Meiches gebaut werden.

Geplante Inbetriebnahme: November 2011

Weil das ganze Bauvorhaben und auch die Erweiterung des Umspannwerkes gut im Zeitplan liegen, hoffen alle Beteiligten sicherlich zu Recht noch im November 2011 vor der Starkwindphase eigenen Strom in das Netz einspeisen zu können, und damit die erneuerbaren Energien, die in Hessen bekanntlich immer noch deutlich hinter den meisten Bundesländern rangieren, einen großen Schritt in die richtige Richtung zu bringen, getreu dem Motto „Man tut nichts Gutes, es sei denn, man tut es".

Um das Projekt zu „stemmen" musste übrigens schon vorab die Summe von ca. 400.000 € für den möglichen späteren Rückbau der Anlagen - in hoffentlich frühestens 25 Jahren - hinterlegt werden.

Und noch etwas

Kaum zu glauben, aber wahr, ist die Tatsache, dass der NABU-Landesverband Hessen auf Veranlassung des hiesigen Kreisverbandes die Genehmigungsbehörde wegen der Erteilung der Baugenehmigung zu diesen Windkraftanlagen verklagt hat. Vielleicht waren diesem Naturschutzverband die mit dem Bau der Anlagen zusätzlich und auch noch „freiwillig" geschaffen Verbesserungen des Nahrungshabitates und der Lebensraumbedingungen für die gefährdeten Vogelarten wie den Schwarzstorch, den Rotmilan, den Raubwürger, die Fledermaus und, und, und ganz einfach zu umfangreich.

Bildergalerie

10. April 2011

10.04.11 Anlage2 10.04.11_Anlage1 10.04.11_Anlage3

Anlage 2 / Anlage 1 / Anlage 3

05. Juli 2011

05.07.11Kranstellflaeche_in_Waage_bringen Fundament3_05.07.11 Kranstellen_05.07.11_6.30_Uhr

Planierung Kranstellfläche / Fundament Anlage 3 / Aufstellung Kran (06:30 Uhr)

22. Juli 2011

Turmstellen_Anlage3_22.07.11 22.07.11   22.07.2011 

Errichtung Turm  Anlage 3

01. August 2011

01.08.2011_Anlage_2 01.08.11_Blick_Saegewerk_Moeller_Meiches

Blick von Sägewerk Möller/Meiches / Blick auf Anlage 2

10. August 2011

Kranaufbau_10.08.11 Kranlaenge_85m_10.08.11

Aufbau Kran / Kranlage  (Höhe 85m)

30. August 2011

Anlage_2_neuer_Kran_aus_Frankreich_30.08.11 30.08.11_Kranausleger_Anlage_2

Neuer Kran aus Frankreich (Anlage 2) / Kranausleger (Anlage 2)

September 2011

Turm_Anl2_01.09.11 15.09.11_Anl.2

Turm Anlage 2 am 01.09. und 15.09.2011

10. Oktober 2011

Anl2_vom_Weg_aus_10.10.11 Anlage1_am_10.10.11 2011_10_10_Fluegel_Anlage3 2011_10_10_Turmteil_Anlage1_auf_Montagekreuz

Anlage 2 / Anlage 1 / Flügel Anlage 3 / Turmteil Anlage 3

Generator_Anl3_am_10.10.11 Kranteile_Anlage3_Oktober_2011 Zufahrt_Hessenernergie_Anl7_10.08.11

Generator Anlage 3 / Turmteile Anlage 3 / Anlieferung für Hessenenergie

02. und 03.  November 2011

02.11.2011_2 02.11.2011 2011_11_03

Elisabeth Lambert



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