27. Januar 2020 - Dorfgeschehen

Quelle: OZ Alsfeld 27.01.2020 - Linda Buchhammer

"Jetzt ham mer de Dreck"

P1310227 v1 small.JPG Storndorfer Fremdensitzung 2020

Tanzmariechen Lea Marie Etling eroberte die Hetrzen des Publikums. Foto: Buchhammer

STORNDORF - Spinnweben an den Decken und Wänden, ihr Produzent "Thekla" im Abseilmodus für alle gut sichtbar auf dem handgemalten Bühnenbild, leere Pizza-Kartons und andere abgelegte Müllgüter verteilt auf dem gesamten Boden im Dorfgemeinschaftshaus in Storndorf: Getreu der Sachlage "De Ernste is´ weg, jetzt hammer de Dreck" (eine liebkosende Anspielung auf den offiziell eingeläuteten Ruhestand des bis Jahresende rundum verlässlichen DGH-Haus- und Hofmeisters Gerhard Georg) eröffneten die Storndorfer Karnevalisten am Wochenende im Schwalmtal die "dollen Tage" der Narretei. In einem breitgefächerten Mix aus Gesang, Showtanz, Büttenreden, szenischem Spiel und einer extra Portion Frohsinn luden die Jecken der freiwilligen Feuerwehr mit den Landfrauen am Samstag zur großen Fremdensitzung.

"Gut dreißig Jahre feiern die Storndorfer bereits im Zwei-Jahres-Rhythmus mit großem Zampano ihren Karneval und bringen dabei immer wieder ein mehrstündiges Kurzweilprogramm auf die Bühne", lobten Einheimische vor Beginn der Veranstaltung den Eifer und das Engagement der aktiven Vereinsmitglieder. Wobei die Spuren des gesellschaftlichen Wandels auch in der Gemeinde offen zu spüren seien. Während es in den Anfangsjahren bekanntermaßen sogar einen richtigen Elferrat zur Fastnacht gab, rocke seit etwa zehn als letzter Mohikaner derer Alfred Päbler in der Rolle des "Sitzungspräsidenten" sowie Conférenciers mit einem weiteren Urgestein und zahlreichen enthusiastischen Mitstreitern die Bühne, klärte das Grüppchen auf. Die einzelnen Darbietungen taten letztlich ihr Übriges und sprachen Bände.

Zum Auftakt eine kräftig einheizende Schunkelrunde mit Storndorfs Musikus Uli Momberger und das spaßige Treiben konnte beginnen. "Euch erwartet heute ein wunderbarer Faschingsabend. Wenn auch ein Hausmeister heute auch nicht mehr das ist, was er mal war! Die Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist wie beim Fernsehen ...", startete Päbler in Begleitung von sieben feschen Gardemädels das Programm mit einem ersten Hinweis zur Lage "DGH-Storndorf". Dem heimischen Blättchen zufolge schrieb die Gemeinde die Stelle zwar aus, ein Run an Bewerbern allerdings blieb aus. In Sorge um bestehende Raumbuchungen puzzelte die Verwaltung bereits an möglichen Lösungskonzepten zum Einhalten der Raumnutzung - mit Gewährung der anschließenden Reinigungsarbeiten. Mit dem richtigen Quäntchen Glück im Nacken habe sich mittlerweile sogar eine neue Ansprechpartnerin für das DGH gefunden. Keine leichte Aufgabe, wohlwissend der Tatsache, die Fußstapfen und das Wirken des Ex-Hausmeisters seien nicht leicht zu ersetzen, plauderte ein Insider aus dem Nähkästchen. Kein Wunder also, dass der frischgebackene Ruheständler kurzum als "Georgi" auch beim Fasching einen besonderen Part bekam. Wann immer Päbler in seinen Moderationen mal so ganz nebenbei "Georgi" ausrief, kochte das Stimmungsbarometer im gut gefüllten Saal hoch.

Kochen war genauso gut das Metier von Steffen Schindler. Als "kochender Strohwitwer" hatte der Neuzugezogene aus Kirtorf doch schwer seine Last bei der Zubereitung von "Bratkadoffeln mit Zwibbel un Soß". Allein das Kartoffelschälen entwickelte sich beim eleganten Abtauchen in der Badewanne zu einer meisterhaften Herausforderung. Und auch der Sechs-Runden-Lauf ums Haus mit mehreren Löffeln Mehl in der Hand brachte nicht wirklich die klassische Konsistenz von Mehlschwitze hervor.

Eine große Faschingssitzung ohne einen heiteren Einblick ins Dorfgeschehen? Undenkbar", dachte sich "Alt-Fastnachter" Helmut Helm und betrat auch in diesem Jahr erneut die Bütt. Humorvoll berichtete er in einer närrischen Dorfchronik von einem Feuerwehreinsatz in Meiches mit Totalausfall des Wehrführers aufgrund eines persönlichen "Brand-Löschens" beim vortäglichen Backtag. Der Ärmste war so schwer geschlaucht, dass er kein Mittagessen mehr brauchte.

"Beim Sohn Uwe war was passiert. Ihm sei die Pferde durchgegange", nahm Helm auch seine eigene Familie auf die Schippe. "Mit 84 Jahren, wer hätte das gedacht, han´se mich werre zum Opa gemacht", schien der Büttenredner am Ende der Kapriolen sogar ziemlich stolz zu sein auf das jüngste Mitglied seiner Familie seit November.

In den Medien stand es kürzlich schwarz auf weiß geschrieben - Schlagzeilen zum Bienenmord in der Gemarkung Storndorf/ Windhausen. Mit einem großen Herzen für die getöteten Tiere hatte Helm eine einschlagende Bestrafungsmethode für den oder die bösen Giftzwerge parat. "Nackig bei den Bienen an den Baum binden und alles laufen lassen", fütterte der Büttenredner zum großen Gelächter aller das Kopfkino. Seinen weiteren Einsichten nach schien die Heimatgemeinde ein besonderes Pflaster für originelle Zeitgenossen zu sein. Demzufolge war von Philistern zu hören mit Vorliebe für "ordentlich Müllgelumpes auf der Straße" im Gegensatz zu ordnungs- und reinlichkeitsliebenden Bürgern des Ortes. Kennenlernen durfte man ebenso "die schöne Heidi" mit chronischer Handy-Mania auf "Pokemon-Männche-Jagd" und dauerhaft bestücktem Eierbaum bis weit nach Pfingsten. Ein kurzes Päuschen mit Gang hinter den Vorhang und die Festgesellschaft grölte: "Klingelingeling, hier kommt der Eiermann", kehrte der Ehrenpräsident mit zwei angehefteten Dekoeiern zurück. "Eier habe ich gleich zwei, ein Großes und ein Kuckucksei. Da seht er möl, was en alte Mann fern Blödsinn mache kann", schienen die dauerbelassenen Ostersymbole in Storndorfs Vorgarten auf Helm abgefärbt zu haben.

Gänzlich ohne Worte präsentierte die Theatergruppe aus Storndorf in einem darstellenden Spiel mit viel Ausdrucksstärke einen Kinobesuch in der ersten Reihe, derweil die Schützenbummler der ortsansässigen "Storndorfer Schützen" im zweiten Programmblock mächtig mit Musik und Tanz aufwarteten.

Überhaupt hatte der Bereich "Showtanz" in der Programmfolge eine ganze Fülle an Leistung, Perfektion, Energie und Bühnenpräsenz zu bieten. Den Anfang machten die Gardemädels in einer mitreißenden Choreografie mit schwungvollen Schrittfolgen auf galanten Sohlen. Als jung-dynamische Tanzmaus mit Mut zum "Tanzmariechen" entpuppte sich Lea Marie Ettling. Im Sturm eroberte das Mädchen mit seiner tänzerischen Akrobatik die Herzen des Publikums. Eine gelungene Performance legten des Weiteren die "Danz Mäuschen" aus Wallenrod aufs Bühnenparkett, wie auch ihre mitgebrachten "taktlosen Owelabbe" als Männerballett und die "Saunagänger" aus Storndorf mit ihren betörenden Reizen.

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