31. Oktober 2019 - Schwalmtal

Quelle: OZ Alsfeld 29.10.2019 - Christian Dickel

"Trinkwasser in höchster Qualität"

Gemeinde Schwalmtal schließt Vadenröder Brunnen an fünf weitere Ortsteile und Melchiorsgrund an.

Wasserwerk Hopfgarten

Im Hochbehälter in Hopfgarten kommt jetzt das Wasser aus dem Brunnen in Vadenrod an. Zudem hat dort neue Technik Einzug gehalten. Wassermeister Timo Görig (rechts) zeigt Bürgermeister Timo Georg und Heiko Steuernagel vom Fachbereich Bauen und Liegenschaften (von links) den fertigen Umbau im Hochbehälter. Foto: Dickel

SCHWALMTAL - "Beim Zähneputzen schmeckt das Wasser anders", ertönte eine Stimme vergangene Woche am Telefon bei der Schwalmtaler Gemeindevertretung. Der Anrufer aus Unter-Sorg hatte einen feinen Geschmackssinn bewiesen. Seit Kurzem hat die Gemeinde Schwalmtal den Brunnen in Hopfgarten vom Netz genommen.

Stattdessen sind jetzt die Ortschaften Ober-Sorg, Unter-Sorg, Hopfgarten, Hergersdorf, Renzendorf und der Melchiorsgrund an den Brunnen in Vadenrod angeschlossen. "Ich hatte auch den Eindruck, dass das Wasser anderes schmeckt, aber ich wusste schließlich auch Bescheid", freut sich Heiko Steuernagel vom Fachbereich Bauen und Liegenschaften. Er hatte die Federführung beim Bau der etwa 2,5 Kilometer langen neuen Wasserleitung vom Hachberg in Vadenrod über den Melchiorsgrund hin zum Hochbehälter in Hopfgarten gemeinsam mit Wassermeister Timo Görig. Damit hat die Gemeinde den Großteil des Mammutprojektes, das die Wasserversorgung der Kommune langfristig sichert, erfolgreich geschultert. Dementsprechend groß ist die Freude und Erleichterung. "Durch unsere Eigenleistung konnten wir die Kostenschätzung von 550 000 Euro in etwa zwischen einem Drittel und der Hälfte senken", betont Bürgermeister Timo Georg (parteilos). Jedoch müsse er auch so fair sein und ergänzen, dass in dieser Zeit einige andere Dinge im Bereichs des Bauhofs liegen geblieben seien. "Wir mussten Prioritäten setzen", fügt Steuernagel an.

Im Prinzip habe der Bauhof die komplette Baumaßnahme selbst geschultert. Unterstützt wurde er dabei - wenn nötig tageweise - durch das Ausleihen einer Vorführ-Grabenfräse der Firma Stehr aus Storndorf, einem Kettenbagger samt Fahrer von der Firma Caspar aus Engelrod sowie durch einen Lkw samt Fahrer von der Firma Müller aus Renzendorf. Durch Einbringen des eigenen Know-hows sei die Gemeinde einen neuen Weg gegangen, der sich ausgezahlt habe und zugleich lehrreich gewesen sei, sagt Georg. "Zur Bodenbeschaffenheit des Vogelsbergers gebe ich keine Prognose mehr ab. Größtenteils waren es nur 30 bis 40 Zentimeter Mutterboden und dann war bereits alles blau", spielt Steuernagel auf den massiven Basaltstein des Vulkangebirges an. Nichtsdestotrotz möchte der Bauhof im kommenden Jahr erneut in Eigenleistung die Maßnahme abschließen und eine Wasserleitung zwischen Hergersdorf und Brauerschwend legen, um auch diese Ortschaft an den Vadenröder Brunnen anzuschließen.

Bürgermeister Georg erklärt den Hintergrund des Großprojektes. Auslöser seien massive Schäden am Brunnen in Hopfgarten gewesen. Bereits seit vielen Jahren sei der Brunnen durch verschiedene Maßnahmen instandgehalten worden, das endgültige Abschalten damit nur herausgezögert worden. Immer wieder sei oberflächennahes Wasser eingedrungen mit Sediment und coliformen Keimen. Daher sei dort seit vielen Jahren eine UV-Anlage zum Einsatz gekommen, um die Keime abzutöten. "Das Wasser konnte nur behandelt ins Netz gehen. Einige Male stand es gar auf Messersschneide", berichtet der Rathauschef. Ein weiterer Punkt sei der hohe Nitratgehalt im Brauerschwender Brunnen gewesen. Der Nitratwert sei zwar laut Trinkwasserverordnung unbedenklich, aber die Bevölkerung habe sich dennoch große Sorgen gemacht. "Wir haben die Sorgen ernst genommen. Das hat mit dazu geführt, den Brunnen in Hopfgarten aufzugeben", informiert Georg. Wenn Brauerschwend im kommenden Jahr angeschlossen werde, werde dort das Wasser vermischt, um den Nitratgehalt auf ein Minimum zu senken.

"Der Brunnen in Vadenrod bietet höchste Wasserqualität. Das Wasser kommt direkt aus dem Stein völlig ungefiltert oder durch sonstige Maßnahmen in die Haushalte"
Heiko Steuernagel vom Fachbereich Bauen und Liegenschaften des Gemeindeverwaltungsverbandes Feldatal-Grebenau-Romrod-Schwalmtal

Nach eingehenden Untersuchungen sei die Entscheidung gefallen, sämtliche Ortschaften der Gemeinde bis auf Rainrod an den Vadenröder Brunnen anzuschließen. Dabei sei festgestellt worden, dass der Brunnen genügend Kapazitäten habe. Im Gegensatz dazu sei das Risiko einen neuen Brunnen in Hopfgarten zu bohren, zu hoch und mit zu vielen Unabwägbarkeiten behaftet gewesen. "Der Brunnen in Vadenrod bietet höchste Wasserqualität. Das Wasser kommt direkt aus dem Stein völlig ungefiltert oder durch sonstige Maßnahmen in die Haushalte", hebt Steuernagel hervor. "Der Brunnen in Vadenrod wird engmaschig überwacht. Spätestens alle fünf Jahre tauschen wir die Pumpen, um die Sicherheit zu gewährleisten", informiert Wassermeister Görig. Da zukünftig nur noch Rainrod einen eigenen Brunnen habe, werde auch dieser in den kommenden saniert und auf den neusten Stand gebracht, macht Georg deutlich. Zudem bleibe der Brunnen in Brauerschwend erhalten. Dieser sei leistungsfähig und biete für den Notfall ausreichend Reserven und es sei möglich von dort aus Wasser in den Hochbehälter in Hopfgarten zu befördern.

FERNÜBERWACHUNG MACHT VIELES EINFACHER

Im Hochbehälter in Hopfgarten zeigt Wassermeister Görig die ebenfalls neu verbaute Technik zur Fernüberwachung des Wassernetzes. Ein ebenfalls nicht unwesentlicher Punkt für den Betrieb des rund 45 Kilometer langen Leitungsnetzes der Gemeinde, der aber unabhängig vom Bau der neuen Wasserleitung seit einiger Zeit zum Einsatz kommt. Steuernagel und Görig veranschaulichten im Rathaus die Vorzüge der Steuerungssoftware. Einmal täglich schaue Steuernagel, ob alles in Ordnung sei. So lasse sich beispielsweise schnell ein Wasserrohrbruch identifizieren und lokalisieren. Durch den Gemeindeverwaltungsverband hat Steuernagel auch Zugriff auf die Netze von Romrod, Feldatal und Grebenau und überwacht auch diese. Etwa bei enormen Abweichungen bekomme der diensthabende Mitarbeiter innerhalb des Verbandes eine automatische Benachrichtigung auf sein Smartphone und könne umgehend reagieren. Das sei eine enorme Arbeitserleichterung. Früher hätte täglich ein Mitarbeiter alle Hochbehälter anfahren und kontrollieren müssen. (cdc)

Rund 2600 Arbeitsstunden habe die Gemeinde für den Bau der neuen Wasserleitung investiert. Alle 300 Meter auf der Strecke zwischen Hopfgarten und Vadenrod gibt es entsprechende Markierungen und Hydranten. Zum einen um bei Schäden den Aufwand so gering wie möglich zu halten und zum anderen, um der Feuerwehr die Entnahme zu ermöglichen. Bei der Streckenführung sei nur zwei Mal vom ursprünglichen Plan abgewichen worden. Einmal um einen sehr alten Ahorn zu schützen und ein anderes Mal wurde ein Bogen um ein Hügelgrab eines vermeintlichen Germanenfürsten gemacht, bericht Georg, der abschließend betont: "Für acht Ortsteile steht jetzt Trinkwasser mit der höchsten Qualität zur Verfügung."


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