27. Oktober 2019

Quelle: Lauterbacher Anzeiger 24.10.2019

Siehe auch: http://www.kulturverein-storndorf.de/index.php/dorfgeschehen/fast-verschwunden/2747-fast-verschwunden-das-zangenwaffeleisen.html

Süßes aus altem Eisen

Stephanie Merschrod aus Stomdorf stellt in Eichenrod dem Wirtinnenstammtisch ihre historischen Waffeleisensammlung vor

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Beim Wirtinnenstammtisch präsentieete Stephanie Merschrod (vorne rechts) einen Teil ihrer Waffeleisensammlung. Foto: Stock

EICHENROD (gst). Zwischen 100 und 200 Waffeleisen hat Stephanie Merschrod aus Storndorf in ihrem Besitz. Etwa 60 davon hatte sie jetzt in ihr Elternhaus, in die „Gaststätte Bloß“ in Eichenrod, mitgebracht. Von den Damen des „Wirtinnenstammtisches“ war der Wunsch geäußert worden, dass Stephanie Merschrod über ihre Sammelleidenschaft berichtet.

Nicht nur die Wirtinnnen lernten dabei viel über Waffeleisen, sondern auch über deren Historie, die mit den alten Backutensilien oftmals verknüpft sind. Auch einige andere Eichenröder Gäste durften den Nachmittag erleben und ebenso das Ehepaar Marlies und Hans Parys aus Wattenscheid, das seinen Urlaub in Maar verbrachte. Auf einer Irlandfahrt der Wirtinnen in diesem Jahr hatten diese das Ehepaar kennengelernt und sofort Werbung für den Vogelsberg gemacht, erzählte Irmi Roth, ehemalige Wirtin der Hazienda. „Weil es in Irland schön herging, waren sie immer in unsere Nähe“ und die schnell übersandten Prospekte überzeugen die Urlauber, und natürlich war die Wiedersehensfreude groß.

Begonnen hat die Leidenschaft der 41-jährigen gelernten Köchin, die jetzt beider Firma STI in einem Projektteam tätig ist, beim Stöbern nach Antiquitäten und Kunstgegenständen auf der Internetplattform „ebay“. Als sie ein Zangenwaffeleisen erblickte, kam spontan die Frage auf: „Was ist das?“ "Ich mag alte Sachen und interessiere mich für die Geschichte, die dahinter steht“, so Merschrod.

„Damit war meine Neugierde geweckt‚ und daraus wurde eine Faszination, die mich nicht mehr losgelassen hat“, erzählt sie. Für 25 Euro ersteigerte sie ihr erstes Zangenwaffeleisen. „Ich zähle sie nicht mehr, denke aber, dass sie zwischen 100 und 200 liegt, eher an der Grenze zu der 200“, lässt sie sich nicht die Karten schauen. Auch verrät sie nicht, welches ihr teuerstes Exponat bisher war.

Stolz ist sie auf ihr Waffeleisen, das sich auf das Jahr 1697 zurückdatieren lässt. Es ist nicht nur ihr „emotional“ wertvollstes Stück, sondern hebt sich von jüngeren Eisen ab, weil noch die Muster in die Backfläche graviert wurden. Später wurden die Zangenwaffeleisen von den Schmieden nicht mehr so aufwändig hergestellt, sondern die Muster mittels vorgefertigtem Prägestempel eingeschlagen, erzählt sie.

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Steffi mit ihrem ältesten Eisen in der Hand. Es ist von 1697. Es hat primitive florale Muster. Auf den Backflächen sind Lebensbäume und kleine Blümchen abgebildet. Solche Eisen waren beliebte Hochzeitsgeschenke. Die eingravierten Initialen weisen darauf hin, dass dies bei diesem Eisen aus 1697 wohl auch so war.

Ihren Ursprung haben die Waffeleisen in den Klosterküchen. Dort wurden aus Weizenmehl und Wasser Hostien mit sogenannten Hostieneisen gebacken. Ungefähr zeitgleich tauchten die Eisen auch in den weltlichen Küchen auf. Hier wurde der Teig meist mit Eiern, Gewürzen und Honig oder Zucker verfeinert. Dünne Hartwaffeln waren einfacher zu backen und länger haltbar als weiche, lockere Waffeln. Durch die Naturhefe, die zur Lockerung notwendig war, war das garantierte Gelingen der weichen Waffeln wesentlich schwieriger, weiß die Sammlerin zu berichten.

Die ersten Zangenwaffeleisen lassen sich im 7. bis 10. Jahrhundert in Frankreich und Skandinavien nachweisen. „Bei uns gibt es erste Belege für diese Eisen im 14. Jahrhundert in Süddeutschland.“

Die Sammlerin zeigt ein Zangenwaffeleisen aus dem Jahr 1719, das früher nur bei besonderen Anlässen zum Backen von dünnen Hartwaffeln über dem offenen Herdfeuer verwendet wurde. „Anno 1719 / Dem Hern dancked", ist nicht nur im Eisen in großen Lettern zu sehen, sondern auch dann auf den Waffeln zu lesen. Vielfältig sind auch die Motive, die von Pflanzen bis zu Wappen der ehemaligen Besitzer reichen.

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Das Zangenwaffeleisen aus dem Jahr 1719

Die 41-Jährige bedauert, dass es ihr bisher nicht gelungen ist, ein Waffeleisen für ihre Sammlung zu finden, welches auf den Vogelsberg hinweist. „Meist sind die Eisen durch Heirat oder Geschenk in unsere Region gekommen“. Denn die Zangenwaffeleisen wurden häufig als Brautgeschenk überreicht. Da das Backen recht aufwändig und meist auch Schwerstarbeit war (es gibt Eisen, die über sechs Kilogramm wiegen), wurde nur zu besonderen Anlässen wie kirchlichen Festtagen, Hochzeiten oder Neujahr gebacken. In Gegenden wie Westfalen und Norddeutschland werden auch heute noch diese traditionellen Waffeln zu Silvester gebacken. Es gebe Aufzeichnungen aus dem holländischen, wonach an einem Backtag 1200 Stück gebacken wurden.

Aufwendige Muster weisen auf einen bessergestellten Besitzer hin, später wurden die Waffeleisen dann zu einer Massenware. Eine der Wirtinnen hatte sich für das Erinnerungsfoto ein „Minizangenwaffeleisen“ ausgesucht. Dieses gehörte zu einer Spielküche. Die Kinder lernten schon sehr früh, mit einem solchen Küchengerät umzugehen und auch die Herstellung von Waffeln, so die Referentin.

Durch einen „Gleichgesinnten“ habe sie ein Rezept aus einem Klosterkochbuch bekommen. „Damit kannst du es probieren“, so die Aussage des Bekannten. Ihre ersten Backversuche kommentiert Stephanie Merschrod mit „das Erste verreckt immer“. Entweder ist es zu heiß und der Teig verbrennt oder es wurde zu wenig geschmiert, sodass der Teig festklebt.

Während der Teig bei den heutigen Eisen eher flüssig ist, muss die Konsistenz beim Zangenwaffeleisen fester sein. Dieser wird kugelförmig zwischen die beiden Backhälften gelegt, und der Druck verteilt ihn auf der Backfläche.

Mit der Zeit wurde es aber besser, auch die Rezeptur wurde von ihr verfeinert. „In der Weihnachtszeit mit Zimt, das ist ein Suchtfaktor.“ Sie fängt in der Regel in der Herbstzeit an. Dann kommt der Ofen in der Werkstatt ihres Mannes zum Einsatz. Aber auch über offenem Feuer sowie dem eigenen Holzherd in der Küche entstehen die Köstlichkeiten.

Davon konnten sich die Damen vom „Wirtinnenstammtisch“ bei mehr als nur einer Waffelsorte überzeugen, und die Fangemeinde von Stephanie Merschrod ist wieder größer geworden. Denn nicht nur der Verwandtenkreis sondern auch ihre Arbeitskollegen dürfen ihre Köstlichkeiten probieren.

Sie selbst wünscht sich einmal, in Storndorf ein Waffeleisenmuseum einzurichten und verliert ihr Ziel sicherlich nicht aus den Augen.Dieses Zangenwaffeleisen aus dem Jahr 1719 wurde früher zu besonderen Anlässen zum Backen von dünnen Hartwaffeln über dem offenen Herdfeuer verwendet.


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