22. Juni 2018 - Ortsgeschehen

Quelle: OZ Alsfeld, 22.06.2018

Fahrt ins Blaue

IDYLLE Landwirt Peter Hamel stellt Gästen seine Äcker und nicht ganz alltäglichen Aussaaten vor

Fahrt ins Blaue
Auf dem ausrangierten Anhänger geht es für die Gäste durch Feld und Wiesen. Foto: Perkuhn

STORNDORF - (mpe). Das Glas frische Milch in der Hand, den leichten Morgenwind im Haar, Rauchschwalben flitzen aufgeregt zwitschernd im Tiefflug vorbei, um ihrer ersten Brut im Stall des Storndorfer Bauernhofes das Fliegen-Frühstück in die weit aufgerissenen Schnäbel zu bugsieren. Manchmal sausen sie direkt an der Nase der erstaunten Gäste vorbei. Schon so ein bisschen wie aus einem Kinder- Bilderbuch erscheint die ländliche Szenerie, fast ein bisschen trivial ist dieser Tag bei Familie Hamel unter dem hellen Sommerhimmel mitten im Vogelsberg.

Der zweite Termin innerhalb von 14 Tagen ist es, an dem Dr. Peter Hamel am Steuer seines knapp 40 Jahre alten IHC-Bulldogs und mit vielen interessierten Besuchern im ausrangierten gesicherten Ladewagen hinten dran aufbricht zur „Fahrt ins Blaue“. Gemütlich beginnt sich das zockelnde Gefährt in Richtung Storndorfer Gemarkung zu bewegen. Zuvor hatte bereits der Begrüßungsrundgang über das Gehöft stattgefunden, einschließlich des Besuchs bei Weidepoularden und gefleckten munteren Schwäbisch-Hall-Schweinen.

Oben auf dem Hänger schaukelt es gemütlich, als sich der Traktor im zweiten Gang über zum Teil recht holprige Feldwege seinen Weg durch die Idylle des Frühsommers seinen Weg bahnt. Nicht lange auf sich warten lassen die ersten Bemerkungen: „Oh, was hätten wir verpasst, wir wollten nämlich fast zu Hause bleiben, weil es heute Morgen bei uns geregnet hat.“ Aber jetzt können die Gäste umso mehr Natur pur schnuppern, frische Luft und nicht zuletzt den Blick in die Weite des Vogelsbergs genießen. Nur ab und an pieksen sich drehende Windräder wie ein Fremdkörper in den Horizont. „Alles kann man nicht haben“, bemerkt jemand, „Iss halt so.“ Kurz darauf wird der Blick eh auf Futterrüben und Kartoffeln gelenkt. Erster Stopp, Peter Hamel erklärt wie es kommen mag, dass das Aroma der ebenfalls hier angepflanzten Kartoffeln intensiver wird durch die hier im Ackerboden in Massen vorkommenden Steine. Weiter geht es zu einem etwas exotischer anmutenden Ziel, zu den Trüffeln. Angepflanzt wurden sie von Familie Hamel im Jahr 2015, ungefähr noch fünf Jahre braucht es bis zur ersten Ernte der Früchte. Nächste Station, wieder bodenständig: die Ackerbohnen. Verfüttert werden die eiweißreichen Bohnen auf dem Hof unter anderem an die Milchkühe. Schließlich, zwischen Storndorf und Meiches, inmitten von dunkel- bis hellgrünen Weiden und Feldern, da wird es blau. Vormittags gehen sie auf, die zarten Blüten der Leinpflanzen, die sich an dieser Stelle sachte auf etwa acht Morgen hin und her wiegen und am frühen Nachmittag wie immer alle Blütenblätter wieder abwerfen. Aus dem Erdboden unter den Leinpflanzen sieht es aus wie nach einem Fastnachtsumzug – alles voller blauer Blütenblätter-Konfetti. Immer nur für wenige Wochen zu Anfang des Sommers, kann man dieses Schauspiel beobachten. Nach der Ernte wird auf dem Bauernhof Hamel unter anderem alle vier Wochen das Leinöl in der eigenen Mühle frisch gepresst und verkauft. Wobei Leinöl das Öl mit dem höchsten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren aller pflanzlichen Öle ist, erklärt Hamel.

Als über den Ausflugsgästen plötzlich eine Drohne brummt, kann der passionierte Landwirt seine Gäste beruhigen: Jeremias Rockel und ein Kollege sind angereist aus Lauterbach, sie drehen einen Image-Film für den Vogelsbergkreis.


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