23. August 2017 - Ortsgeschehen

Quelle: OZ Alsfeld 23.09.2017

Auf Lichtung wartet letztes Highlight

WALDERLEBNISTAG 34 naturbegeisterte Wanderer und acht Kinder wandern mit Gerhard Dymianiw durch Teile seines fast 1600 Hektar großen Reviers

FELDATAL (mpe). Das war eine Wanderung, wie man sie in einem Bilderbuch über den Frühherbst finden könnte. Vorneweg mit unerschrockenem Schritt Gerhard Dymianiw, Revierleiter im Forstrevier Feldatal des Forstamts Schotten. Er führte 34 naturbegeisterte Wanderer und acht Kinder durch Teile seines fast 1600 Hektar großen Reviers.

„Die Vielfalt des Waldes erleben" - unter diesem Motto stand die Wanderung, von Hessen-Forst und der Natur- und Vogelschutzgruppe Lautertal organisiert.

War auch mal ein Stück Schotterweg dabei, so ging es in der Hauptsache jedoch „querbeet durchs Gepläns": über Stock und Stein, durch Dickicht, über Gräben, wo man sich gegenseitig die stützende Hand hielt, durch Matsch- und Patschpfade, durch das weiche Gras von abgelegenen Talwiesen, -vorbei an Sickerquellen und moosbewachsenen Baumveteranen, vor denen das Gespräch in Ehrfurcht verstummte.

„Hier in der Gegend bin ich schon oft gelaufen, aber diesen idyllisch gelegenen Teich habe ich noch nie gesehen!" Ähnliche Reaktionen wie die dieses Besuchers konnte man des Öfteren hören. Wer hatte sie schon mal gesehen, die Reste eines bronzezeitlichen Hügelgrabes, heute mitten im Köddinger Wald, fast überwuchert, aber an der Struktur deutlich erkennbar.

Wer kannte sie, die Wiese, die heute von Hessen-Forst betreut und extensiv bewirtschaftet wird. Mit dem jährlich späten Schnitt im Juli, der es zulässt, dass ohne Beweidung und ohne Düngung hier Insekten ein EI Dorado an Artenvielfalt finden, zwischen Mädesüß, Wäesenglockenblume und unzähligen anderen, fast vor dem Aussterben stehenden Pflanzen. Ja, hier können sie sammeln, die fleißigen Bienen. Zehn Meter weiter konnte man es schmecken: Versteckt im Wald stand Imker Alois Wolf aus Windhausen. Gemeinsam mit einem Kollegen und aufgeweckter Dackeldame Heia verteilte er auf Teelöffeln süßen Waldhonig. Einen dieser Augenblicke, den man nicht vergisst.

Weiter ging's. Unter anderem konnte man einen Einblick in eine 3,5 Hektar große „Kernfläche" mit 220-jährigen Buchen erhalten. Im Revier Feldatal sind insgesamt 91 Hektar solcher Flächen ausgewiesen, die der Natur überlassen bleiben und vielen Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum bieten. Walter Briegel aus Köddingen erklärte an dieser Stelle, wie der heute 87-Jährige in den 1960er Jahren sich als junger Revierinhaber schon damals für nachhaltige Waldbewirtschaftung einsetzte.

Immer wieder sorgte Gerhard Dymianiw dafür, dass die Teilnehmer die Natur zum Anfassen erleben konnten. Da war auf einmal der in seinem schillernden Farbenkleid leuchtende, ausgestopfte Stockerpel am Gewässer zwischen Binsen und Schilf zu sehen. An anderer Stelle, am Stamm einer alten Buche mit unzähligen Ast- und Brutlöchern, plötzlich seltene Exemplare wie Waldkauz, Schwarzspecht, Fledermaus, Kohlmeise, um nur einige zu nennen.. Auch hier konnte man den vielen interessanten Bemerkungen der Wanderer lauschen. Pilze lugten aus den feuchten Blättern des Waldbodens oder wuchsen als Baumpilze aus den Stämmen alter Bäume.

Weiter ging es durch dichten Bewuchs, wo sich jeder seinen Weg suchte. „Hier hat 2007 Kyrill gewütet", erklärte Gerhard Dymianiw ein Stück weiter. Anstatt Fichten hat man hier vorrangig Laubhölzer wie Eiche, Buche und Erle nachgepflanzt. Eine der Teilnehmerinnen aus Meiches erinnert sich „an eine wunderschöne Zeit, in der wir mit vielen Frauen Tausende von kleinen Bäumen hier in die Erde gesetzt haben."

Schließlich endete die über zwei Stunden währende Wanderung auf einer kleinen sonnendurchfluteten Lichtung mit einem weiteren und letzten Highlight, das den rundum begeisterten Teilnehmern letzte I-Tupfen auf dieses Erlebnis setzte. Während dampfender Kaffee, frischer, selbst gebackener Matte- und Apfelkuchen die Runde machten, wurden nebenbei von tatkräftigen Helfern „Werkbänke" aufgestellt.

Nicht lange und man hörte es hämmern, vertieft bauten Jung und Alt gemeinsam die Teile von vorgefertigten Meisenkästen zusammen. Jeder durfte sein massives Exemplar mit nach Hause nehmen. Mit einem fröhlichen „Wir sehen uns wieder, ihr Leut!" - trat man den Heimweg an.

Förster Gerhard Dymianiw, seine Helfer und die Vogel- und Naturschutzgruppe Lautertal hatten es geschafft: Sie hatten ein Stück Vogelsberger „Ur-Natur" fest in die Herzen der Wandergruppe eingepflanzt.

Hintergrund
Walderlebnistage mit verschiedenen Themen, zu denen auch die Veranstaltung in Feldatal gehörte, werden beziehungsweise wurden im Forstamt Schotten von August bis Oktober durchgeführt. (dg)


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