19. Oktober 2013 - Kulturverein

Quelle: OZ Alsfeld

Wanderung zu den „ältesten Zeitzeugen"

GRENZGANG Bei Tour rund um Storndorf historische Steine in Augenschein genommen

Wandergruppe

Die Teilnehmer am Grenzgang, der von Lothar Dymianiw (ganz rechts) geleitet wurde.

(mpe). Über Stock und Stein stapften die Teilnehmer. Und geregnet hat es auch noch. Dennoch steht fest: Für die zahlreichen Wanderer war dieser Grenzgang rund um Storndorf ein interessantes und naturnahes Erlebnis. Integriert war die Grenzwanderung in die ganzjährigen Feierlichkeiten zum 775-jährigen Bestehen Storndorfs.

So war es eben in früheren Zeiten: „Da wurden Grenzen durch natürliche Ortsmerkmale wie Hecken, Wald- oder Feldränder, Wege, Bäume, vor allen Dingen durch Gräben, Bach- oder andere Wasserläufe gekennzeichnet." Lothar Dymianiw übernahm die fundierten Erläuterungen während seiner Führung. Durch ihn erfuhren die Teilnehmer viel Wissenswertes über historische Gegebenheiten in der Gemarkung insbesondere in Nähe der Gemarkungsgrenze. Kilometerlang ziehen sich die Grenzen um den Ort, die „Gewanne" (Bezeichnung für die Lage, Beschaffenheit oder der früheren Nutzung) berühren dabei Gemarkungen von Vadenrod, Wallenrod, Meiches, Windhausen und Ober-Breidenbach.

Wetterfest angezogen und gut gelaunt wurde die mehrstündige Grenzbegehung in Angriff genommen. Eine Rast zwischendurch und der Abschluss in Ortsnähe von Storndorf mit Bratwurst und Getränken sorgten für Erfrischung und boten Platz für gesellige Unterhaltung. Dabei wurde noch einmal erläutert, dass es von Storndorf bereits frühe Grenzangaben gibt, von Grenzsteinen allerdings ist erst später die Rede.

Zur ersten Steinsetzung hat wahrscheinlich der Streit um die „Wüstung Hetztelhausen" geführt im 16. Jahrhundert. Weithin bekannt waren die Junker von Storndorf damals bereits für ihre Streitlust. In einer Fehde zwischen Wiegand von Lüdder aus Lindheim und Eberhard Schenk wurde das Dorf Storndorf in Schutt und Asche gelegt, außerdem wurde sämtliches Vieh genommen. Um den Wiederaufbau des Dorfes zu finanzieren, verkauften die Junker 1510 Storndorf für 500 Gulden Goldwährung mit allem Zubehör an Herrmann Riedesel „auf Wiederkauf".

22 Jahre später wurde das Gut zurück erworben, dabei entbrannte ein Streit um die Wüstung Hetztelshausen: Die Junker beschuldigten die Riedesel, einen Teil davon zurück behalten zu haben. Am 9. Oktober 1539 wurden deswegen von den Junkern „im Bereich der Grenze zum Ausland" Steine gesetzt – von denen bis heute vier erhalten sind.

„Diese Grenzsteine sind die ältesten Storndorfer Zeitzeugen", erklärte Lothar Dymianiw zu den prächtig behauenen Stücken, die gut 60 Zentimeter aus der Erde herausschauen. Erst 1820/1830 seien die Umgrenzungen der gesamten Gemeinden mit Grenzsteinen durchgeführt worden. „Die innerhalb liegenden Grenzen wurden aus Kostengründen erst viel später durchgeführt und mit Grenzsteinen vermarkt."


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