25 Jahre Gruppenpfarramt 1994 - Talk im Zelt

Quelle: OZ Alsfeld, 14. Juli 1994 - Dank an Wilma Well, die den Zeitungsbericht zur Verfügung stellte!

In Zeiten finanzieller Engpässe: Kirche auf der Suche nach Sponsoren?

25 Jahre Gruppenpfarramt Vogelsbergkreis: Zum Ende „Talk im Zelt“: Was macht uns Sorgen?

Zeitungsartikel Talk im Zelt small

STORNDORF (dg). „Talk im Zelt“ gab es zum Abschluß der Feiern zum 25jährigen Bestehen des Gruppenpfarramtes Vogelsberg. Dr. Karl-Heinrich Schäfer (Wiesbaden), seit April dieses Jahres Präses der Kirchensynode Hessen-Nassau, war dabei prominentestes Mitglied auf dem Podium. Ebenfalls mit dabei: Pfarrer und Landwirt Dr. Ulf Häbel Freienseen) sowie Gerda Klemp Schwabenrod) als Mitglied des DekaIssynodalvorstandes und Wilma Well Ober-Breidenbach), engagierte Mitarbeiterin im Kindergottesdienst und Beauftragte des Dekanats für die Kindergottesdienstarbeit. Die Moderation hatte Pfarrvikar Volker Jung (Stumpertenrod).  Thema der knapp eine Stunde dauernden „Talk-Runde“: Unsere Kirche - Was macht uns Sorgen; Was trauen wir ihr zu? Was erwarten wir von ihr?

Zunächst ging es aber um das Problem: „Ist es richtig, daß der Pfarrer den Kirchenvorstand leitet“? Unterschiedliche Meinungen dabei von den Podiumsteilnehmern. Begrüßt wurde auch die Führung des Kirchenvorstandes von sogenannten Laien, denn ein Teil der Aufgaben des Kirchenvorstandes wurde als reine Verwaltungsarbeit bezeichnet, deren Erledigung nicht unbedingt von einem Geistlichen gemacht werden müsse. Seelsorgerische Aufgaben seien wichtiger.

Gleiches Thema galt dann auch beim Synodalvorstand: Theologen reden manchmal unverständlich für Nichttheologen, wie auch Juristen für Nichtjuristen. Um die Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit und hier besonders der Frauen in der Kirche ging es beim nächsten Themenschwerpunkt. Einhellige Meinung: Ohne Frauen läuft die ehrenamtliche Arbeit nicht.

Wilma Well bilanzierte dazu: Bei uns wird die Arbeit zwar anerkannt, räumte aber auch ein, daß vielerorts man zwar Ideen entwickeln könne, aber dann blocke der Pfarrer mit einem „so nicht‘ ab. Die Arbeit der Kirche sei wie bei den Kommunen stark von der finanziellen Seite abhängig, wurde anschließend deutlich.

Präses Dr. Schäfer betonte, daß die evangelische Kirche Hessen-Nassau zwar noch relativ gut dastehe, räumte aber ein, daß man sich Gedanken mache „wie es weitergeht“. Eine Sparsynode wie bei der rheinischen Kirche gebe ex noch nicht.

Pfarrer Dr. Häbel wies darauf hin, daß man in der Stadt sparen solle, hier würden die Gemeindemitglieder teilweise gleich dreimal gezählt. Er machte auch den Vorschlag, Sponsoren zu suchen. Zuversichtlich war Gerda Klemp in Sachen Finanzen: „Wir brauchen nur etwas Phantasie, Geld gibt es fast überall.“

Abschließender Themenschwerpunkt, der Stadt-Land-Dialog. Er wird nach Aussage von Dr. Schäfer in der Synode sehr stark wahrgenommen. „Das Problem ist aber noch nicht gelöst“, bedauerte der Präses, und Gerda Klemp stellte fest: „Wir sind im Vogelsberg oft weit weg von Frankfurt und Darmstadt. Wir müssen eben sagen was uns fehlt.“ Die Erwartungen an die Kirche schraubte Gerda Klemp nicht sehr hoch, sondern man müsse selbst etwas von sich erwarten. Auch Wilma Well tendierte in diese Richtung und wies auf das Lied von den „Vielen kleinen Leuten, an vielen kleinen Orten, die mit vielen kleinen Schritten, das Gesicht der Welt verändern können“ hin.

 

 Talk im Zelt: Vorstellung der Teilnehmer durch Pfr. Jung