25 Jahre Gruppenpfarramt 1994 - Erfahrungsberichte

Quelle: OZ Alsfeld, Juli 1994 - Dank an Wilma Well, die den Zeitungsbericht zur Verfügung stellte!

Wöchentliche Teamsitzung fester Bestandteil der gemeinsamen Arbeit

25 Jahre Gruppenpfarramt: Pfarrer berichten von ihren Erfahrungen mit der Einrichtung

Gruppenbild Pfarrer small

VOGELSBERGKREIS (dg). „Aufeinander zugehen‘. Dies war der Grundgedanke, der vor 25 Jahren zur Gründung des Gruppenpfarramtes. Vogelsberg führte, betonte Pfarrerin Renate Weber in ihrem Vorwort zum Programm des Gruppenpfarramtsfestes auf dem Storndorfer Sportplatz. Die Feierlichkeiten zum 25jährigen Jubiläum nahm die OZ zum Anlaß und bat die jetzt amtierenden Pfarrer und Pfarrerinnen dieses in Deutschland wohl einzigartigen Zusammenschlusses von Pfarrämtern um einen Erfahrungsbericht ihrer Arbeit.

Renate Weber (Pfarrerin in Vadenrod und Ober-Sorg): „Ich bin die „Dienstälteste“ im Gruppenpfarramt und fast von Anfang an dabei. Die Zusammenarbeit und die Aktivitäten haben sich in dieser Zeit entwickelt. Ursprünglich war einmal, wie bei anderen Versuchen einer solchen Teamarbeit, an eine - funktionale Teilung der Aufgaben gedacht, das heißt: jeder macht hauptsächlich das, was er gut kann. Das wurde aber nie praktiziert. Fester Bestandteil der gemeinsamen Arbeit ist jetzt die wöchentliche Teamsitzung am Mittwochmorgen. Hier wird ein langfristiger Gottesdienstplan erstellt und ein regelmäßiger „Kanzeltausch“ organisiert. Ebenso werden alle anderen gemeinsamen Aktivitäten besprochen: der. gemeinsame Gemeindebrief, Konfirmandenfreizeiten und Konfirmandenelternabende, gemeinsame Frauenabende und Gemeindefahrten. In vielem wird sehr pragmatisch gedacht. Und das ist vielleicht ein Grund, warum das Team solange funktioniert hat. Weder der Teamgedanke wird überhöht noch geht es um eine gemeinsame theologische Ausrichtung.

Reinhard Helm (Pfarrer in OberBreidenbach, Storndorf und Strebendorf): „Für mich ist einer der großen Vorteile des: Gruppenpfarramtes, daß wir uns gegenseitig vertreten. Nur sehr selten müssen wir andere Kollegen oder Kolleginnen „von außen“ um Vertretungsdienste bitten. Ich denke, daß auch unser Dekan das Gruppenpfarramt so als eine Entlastung empfindet. Wir regeln vieles unter uns, ohne seine Hilfe anfragen zu müssen. Auch von den Gemeinden wird es als Vorzug empfunden, daß Vertretungsdienste - und das heißt auch “ Vakanzvertretungen - im Rahmen des Gruppenpfarramtes geregelt werden. Man weiß, wer kommt, und das wird gerade bei der Kasualvertretung sehr geschätzt.

Wolfgang Kratz (Pfarrer in Hopfgarten, Hergersdorf und Unter-Sorg): „Es könnte vielleicht die Frage aufkommen, ob das Gruppenpfarramt denn hauptsächlich dazu da ist, den Pfarrern und der Pfarrerin die Arbeit zu erleichtern. Natürlich ist es eine Erleichterung, wenn man nicht Sonntag für Sonntag eine neue Predigt entwerfen muß. Die eingesparte Zeit allerdings wird in andere Arbeit investiert. Die wöchentliche Teamsitzung ist so ein zusätzlicher Termin, gerade die gemeinsamen Aktivitäten erfordern sorgfältige Vorbereitung. Das nimmt oft mehr Zeit in Anspruch als etwas, das man allein durchführt. Dafür ist dann das gemeinsam Erarbeitete qualitativ besser, abwechslungsreicher, gründlicher und durchdachter.“

Andreas Weik (Pfarrer in Meiches und Helpershain): „Ich bin vor drei Jahren nicht ohne Bedenken in das Gruppenpfarramt gegangen. Vor allem beschäftigte mich die Frage, ob man denn genügend Zeit habe, sich um seine - eigenen Gemeinden kümmern zu können. Das“Grüppenpfarramt’ stand für mich unter dem Verdacht, eine „‚zentrale“ Einrichtung zu sein, die den Dörfern etwas Eigenes nehmen könnte wie das beim Dorfschullehrer oder auch beim Bürgermeister durch Reformmaßnahmen der Fall war. Mittlerweile habe ich die Bedenken nicht mehr. Jedes Dorf hat seinen Pfarrer, seine Pfarrerin. Und das ‚steht auch an erster Stelle. Das Gruppenpfarramt ist eine Ergänzung und damit - durch die unterschiedlichen Fähigkeiten eine Bereicherung. Ich denke, daß auch viele Gemeindeglieder das so sehen.“

Volker Jung (Pfarrvikar in Stumpertenrod und Köddingen): „Ich bin erst seit November letzten Jahres im Gruppenpfarramt. Die Teamarbeit verlangt, langfristig die Gemeindearbeit zu planen. Das ist besonders für einen Berufsanfänger nicht immer leicht. Ausgesprochen hilfreich ist es jedoch, bei unterschiedlichsten Fragen - und beim Berufsanfang sind das auch oft schlichte Verwaltungsangelegenheiten — auf die Erfahrung der anderen zurückgreifen zu können.“